Lehnert Der Gott in einer NussChristian Lehnert, Der Gott in einer Nuß. Fliegende Blätter von Kult und Gebet


Wenn Suhrkamp ein Buch verlegt, in dem es um den christlichen Gottesdienst geht, kann das nur Jenseits des Mainstreams liegen. Sonst wäre es in einem anderen Verlag erschienen. Dazu trägt das Buch noch einen seltsamen Titel. Wer etwas Pastoralliturgisches sucht, wird gar nicht darauf stossen, wer meint, schon alles über Liturgie zu wissen, auch nicht. Das ist gut. Wem Metaphysisches und Transzendentes auf die Nerven geht, lese besser gar nicht erst weiter.

Die fliegenden Blätter sollten vielmehr jene erreichen, die sich vom Wort Gott „verwirbeln“ lassen, die das Lob des kirchlichen Niedergangs aushalten, die Menschen begegnen möchten, die jenseits der Grenze alltäglicher Existenz leben, die einer negativen Theologie der Liturgie mehr abgewinnen können als allem Wissen: „Jede Erwartung, wenn ich eine Kirche betrete, trifft nur auf Spuren – und eine Spur gibt es nur dort, wo etwas fehlt. Enttäuschung liegt in der Sache. Die Liturgie ist wie eine Fährte im Schnee – flüchtiges Zeugnis eines anwesend-abwesenden Gottes.“ (5. Blatt)


Die Blätter fügen sich lose dem Ablauf einer Messe und eines lutherischen Abendmahlgottesdienstes ein. Verdichtete Miniaturen zu Elementen der Liturgie, zu ihrer Sprache oder zum liturgischen Zeitverständnis wechseln mit Begegnungen in einem Dorf in Ostdeutschland, Erlebnissen aus der Studienzeit in Israel, biblischen oder philosophischen Reflexionen. Ein Buch zum langsam Lesen, auch zum lauten Lesen, voller sprachlicher Überraschungen, ein wunderbares Buch - das stärkste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.


Der Autor, Jahrgang 1969, ist Dichter und Theologe; er leitet zur Zeit das (evangelische) Liturgiewissenschaftliche Institut an der Universität Leipzig.

Christian Lehnert, Der Gott in einer Nuß. Fliegende Blätter von Kult und Gebet. Berlin: Suhrkamp 2017. 236 S., CHF 27.90

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Gunda Brüske (27.2.2017)