SchwierigeBibelstellenSchwierige Bibelstellen spirituell erschlossen

Anselm Grün: Schwierige Bibelstellen spirituell erschlossen, Freiburg i.Br.: Herder 2014; 176 S.; CHF 21.50

"Die Bibel ist Kernbestand des Christentums. Einfach ist sie beileibe nicht immer. Es gibt im Alten, aber auch im Neuen Testament dunkle und schwierige Stellen," so beginnt der Münsterschwarzacher Benediktiner Anselm Grün das Buch, in dem er versucht, schwierige Bibelstellen zu erschliessen. Dies kann nicht zuletzt für Lektorinnen und Lektoren, die solche Texte ja vortragen müssen, sehr hilfreich sein.

 

 

Im Laufe der Jahre haben Anselm Grün seine Leserinnen und Leser von ihren Problemen mit biblischen Texten berichtet. Exemplarisch wählt er nun fünfzig biblische Texte aus und versucht sie, geistlich zu erschliessen. Dazu gehören ganze biblische Erzählungen oder grössere Zusammenhänge wie z.B. die Sintflut, der Turmbau zu Babel, das Opfer Abrahams, das Buch Ijob, die Fluchpsalmen, verschiedene Gleichnisse Jesu, oder einzelne Textpassagen wie die Aufforderung, das Kreuz auf sich zu nehmen, das Schweigegebot für die Frauen in den Versammlungen, die Bezeichnung des Mannes als Haupt der Frau. Letztlich werden viele Themen angesprochen, die über eine einzelne konkrete Bibelstelle hinaus Fragen an unseren Glauben stellen: unser Gottesbild, unser Umgang mit Kreuz und Leid, die Bedeutung Jesu für uns. Auf den ersten Blick erstaunlich ist, dass die meisten schwierigen Bibelstellen bei Anselm Grün nicht etwa aus dem Alten Testament stammen (14), sondern aus dem Neuen Testament (36). So ist der Gewinn dieses Büchleins nicht nur die spirituelle Erschliessung schwieriger Bibeltexte, sondern zuerst einmal das Aufzeigen der Sperrigkeit von manchem oft gehörten Text, die dann erst eine tiefergehende Auseinandersetzung mit ihm bewirken kann. Diese Auseinandersetzung muss jeder Leser und jede Leserin des Textes selbst leisten. Anselm Grün gibt aber sehr hilfreiche Impulse dazu, die nicht zuletzt für Lektorinnen und Lektoren wertvoll sind. Wünschenswert wäre, das Buch nicht nur als "Steinbruch" zu benutzen, in dem nach einer konkreten Bibelstelle gesucht wird, sondern es als geistliche Lesung über einen bestimmten Zeitraum vollständig zu lesen. So kann es zu dem werden, was es sein will: eine "etwas andere, spannende Einführung in ein tieferes Verständnis der Bibel." 

 

Martin Conrad

 

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