Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Ikone Mariae Geburt thumbMariä Geburt 8.9.

"Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt"

Die Kirche feiert nur drei Geburtstage im Jahr: an Weihnachten die Geburt Jesu, am 24. Juni die Geburt von Johannes dem Täufer und am 8. September die Geburt der Gottesmutter Maria. 

Bei einem Geburtstagsfest feiern wir üblicherweise nicht das Geleistete und Erreichte eines Menschen, sondern die Person selbst. Wir sagen Ja zu ihr und freuen uns, dass es sie in ihrer Einzigartigkeit gibt.
Auch das Fest der Geburt Marias ist von der Freude an ihrem Dasein geprägt. Wir feiern Maria nicht besonderer Tugenden und persönlicher Verdienste wegen, sondern sagen Ja zu ihrem Leben und ihrer Lebensbestimmung, Mutter des Erlösers zu sein. Wir anerkennen dankbar, dass Gott ihr - wie auch Johannes dem Täufer - von allem Anfang an einen einzigartigen Platz in seinem Heilsplan zugewiesen hat. „Selig bist du, Jungfrau Maria, und allen Lobes überaus würdig. Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott" (Evangeliumsruf der Festmesse).
Die liturgischen Texte stellen immer wieder die Verbindung her zwischen der Geburt Marias und der Geburt Jesu aus Maria. So heisst es im Tagesgebet, das auf das 7. / 8. Jahrhundert zurückgeht: „Öffne deinen Gläubigen die Schätze der himmlischen Gnade. Die Geburt des Erlösers aus Maria war für uns der Anfang des Heiles; das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter festige und mehre den Frieden auf Erden." Die Geburt Marias kündet bereits die neue Heilszeit in Jesus Christus an. Darum preist die Liturgie Maria als „Morgenröte des Heils" und „Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt" (Schlussgebet der Messe) als „Meeresstern" und „Tor des Himmels" (Hymnus der Vesper) und ihr Leben als „Licht für alle Kirchen" (Responsorium der Lesehore).

Herkunft des Festes

Das Gedenken an die Geburt Marias am 8. September geht auf das Weihefest einer Marienkirche in Jerusalem zurück; die heutige Annakirche wurde im 5. Jahrhundert an der Stelle errichtet, wo das Geburtshaus von Maria gestanden haben soll. Eine marianische Hymne des byzantinischen Dichters Romanos des Meloden aus dem 6. Jahrhundert weist darauf hin, dass das Fest im Volk verwurzelt war. Papst Sergius I. übernahm es im 7. Jahrhundert für die römische Kirche. Als eines der grossen Marienfeste bestimmte es auch den Termin des jüngeren Festes der unbefleckten Empfängnis Mariä am 8. Dezember.

Freude am Dasein

Die Bedeutung Marias in der Geschichte des Heils ist einmalig. Ihr Fest der Geburt weist aber auch darauf hin, dass der Mensch Sinn und Bedeutung seines Lebens nicht erst nach und nach selber erschaffen muss. Von Geburt an kommt ihm ein Platz im Plan des Schöpfers zu, den kein anderer für ihn einnehmen kann. Seine Lebensaufgabe besteht nicht darin, , „jemand" zu werden, sondern – wie Maria – Ja zu sagen zu dem, was er – von Gott her – schon ist.
Die liturgischen Gebets- und Gesangstexte tragen am Fest Mariä Geburt – im Unterschied zu anderen Marienfesten – den Charakter der Unbeschwertheit, ja des Spielerischen. „Sie sind eine Einladung, sich selbst nicht so tragisch zu nehmen und so frei zu werden, einfach einmal da zu sein, und in solcher Freiheit staunend in der Schöpfung den Abglanz der Liebe des Schöpfers zu erkennen" (Gerhard Voss).

Josef-Anton Willa

 

Stichwort

  • Ursprung in Jerusalem im 5./6. Jahrhundert
  • In Rom im 7. Jahrhundert eingeführt
  • Das Fest erhält seine Bedeutung von Weihnachten her (Geburt Jesu aus Maria)
  • Maria ist „Morgenröte des Heils", weil mit ihr die neue Heilszeit in Jesus Christus beginnt.

Geistlicher Impuls

Joachim und Anna

Wie bei Jesus und Johannes dem Täufer wird auch bei Maria die Geburt durch einen Engel angekündigt – allerdings nur gemäss ausserbiblischem Zeugnis (Proto-Evangelium des Jakobus, 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts). Die Eltern Joachim und Anna konnten keine Kinder bekommen. Wegen der Schande der Kinderlosigkeit wurde Joachim sogar daran gehindert, im Tempel ein Opfer darzubringen. In ihrer Trauer und Verzweiflung beteten die betagten Eheleute zu Gott. Da erschien ihnen ein Engel, der die Geburt einer Tochter ankündigte.
Romanos der Melode beschreibt dieses Geschehen in seinem „Hymnus auf die Geburt der überaus heiligen Gottesgebärerin".

Hymnus auf die Geburt der überaus heiligen Gottesgebärerin

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