Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

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Geschenk und Aufgabe

„Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht", heisst es im Lied. Leider sieht die Realität häufig anders aus. Sind die hohen Ideale von Liebe und Treue unerreichbar?

Im Sakrament der Ehe sagen nicht nur die Ehepartner Ja zueinander, auch Gott sagt sein unverbrüchliches Ja zur ehelichen Gemeinschaft. Das Versprechen der Eheleute wird getragen vom Versprechen Gottes. Darum ist die Ehe zunächst ein Geschenk, das die Eheleute zur gemeinsamen Lebensaufgabe befähigt. Die Trauungsliturgie macht dies in Wort und Zeichen deutlich.

Ehe als Liebesgemeinschaft

Liebe, Treue und Geborgenheit sind die wichtigsten Eigenschaften, die Mann und Frau heute in der Ehe und Partnerschaft suchen. Sie erhoffen sich in einer dauerhaften Beziehung persönliches Glück und Erfüllung ihres Lebens. Gegenüber früheren Zeiten, in denen die Ehe auch wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Funktionen wahrnahm, steht heute die personale Dimension der Ehe als Liebesgemeinschaft im Vordergrund.

Die Liebe ist auch das zentrale Motiv der Trauungsliturgie. Gott schenkt seine Nähe, „wo Menschen einander lieben", heisst es im Segensgebet über die Ringe. Im Feierlichen Trauungssegen wird gebetet: „Wo Mann und Frau in Liebe zueinander stehen und füreinander sorgen, einander ertragen und verzeihen, wird deine Treue zu uns sichtbar." Aus den liturgischen Texten spricht eine hohe Wertschätzung der Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau. In der Ehe als „Bund der Liebe" und „Quelle des Lebens" nimmt der Glaube an die Liebe des Schöpfers und an seine lebendig machende Gegenwart in Jesus Christus konkret Gestalt an.

Die personale Dimension der Ehe kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Brautleute sowohl Spender als auch Empfänger des Sakramentes sind. Besonders anschaulich wird dies, wenn sie sich selber gegenseitig den Vermählungsspruch zusagen. Der Priester (bzw. eine andere bevollmächtigte Person) bestätigt als amtlicher Repräsentant der Kirche anschliessend die vollzogene Vermählung.

Ehe als dauerhafte Beziehung

Nach wie vor besteht in unserer Gesellschaft ein grosser Wunsch nach Verlässlichkeit und Beständigkeit in der Partnerschaft. Die Treue ist eine der wichtigsten Erwartungen an eine Zweierbeziehung. Andererseits scheuen sich viele Menschen – vor dem Hintergrund zahlreicher gescheiterter Ehen und Liebesbeziehungen –, eine lebenslange Bindung einzugehen. Sie werden dazu vom gesellschaftlichen Umfeld auch kaum ermutigt und unterstützt.

Von Treue ist in der Trauungsliturgie häufig die Rede. Allerdings steht nicht ein moralischer Appell an die Eheleute im Vordergrund, sondern die Zusicherung Gottes. „Er ist treu. Er wird zu euch stehen und das Gute, das er begonnen hat, vollenden"; mit diesen Worten werden die Brautleute nach dem Akt der Vermählung bestärkt. Das liturgische Buch für die „Ökumenische Feier der Trauung" (1993) ruft in einem Eröffnungsgebet in Erinnerung: „Immer wenn wir eine Entscheidung treffen, deren Tragweite wir nicht überschauen können, denken wir daran, dass du die Quelle allen Lebens und alles Guten bist, dass wir aus eigener Kraft nichts vermögen und in allem, was wir unternehmen, auf deine Hilfe angewiesen sind." Das Versprechen der Brautleute zu gegenseitiger Treue „in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet", soll getragen sein vom Vertrauen auf die Treue Gottes. Das eigentliche konstitutive Element der Trauungsliturgie ist darum der Feierliche Trauungssegen - in Form und Funktion vergleichbar mit dem eucharistischen Hochgebet der Messe. Darin gedenkt die versammelte Feiergemeinde der Liebe und Treue Gottes im Laufe der Heilsgeschichte und erbittet den Beistand des Heiligen Geistes für die Brautleute: Er schenke ihnen „Einheit und heilige den Bund ihres Lebens. Er bewahre ihre Liebe in aller Bedrohung; er lasse sie wachsen und reifen und einander fördern in allem Guten." Ein Segensgebet aus der „Ökumenischen Feier der Trauung" formuliert es so: „Segne N. und N. Schenke ihnen Lust und Freude aneinander; erwecke ihre Partnerschaft immer wieder neu. Lass sie atmen und leben in deinem Geist. So wird ihre Liebe dauern und ausstrahlen."

Ehe als gleichberechtigte Partnerschaft

Ein Merkmal heutiger ehelicher Beziehungen ist die gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Mann und Frau. Der diesbezügliche gesellschaftliche Wandel schlägt sich auch in der Liturgie nieder. Im älteren römischen Rituale wurde nur ein Ring, der Brautring, gesegnet. Er konnte als „Fessel" missverstanden werden, die die Braut an den Bräutigam bindet und sie als sein „Eigentum" kennzeichnet. Im heutigen liturgischen Buch machen hingegen das gegenseitige Überreichen der Ringe und das entsprechende Begleitwort die Gleichheit der Ehepartner deutlich. Braut und Bräutigam sprechen: „Trage diesen Ring als Zeichen unserer Liebe und Treue". Der Ring steht also sowohl für das je eigene Eheversprechen wie für jenes des Partners / der Partnerin.

Ehe als öffentliche Aufgabe

Die Eheleute leben nicht nur in einer reinen Zweierbeziehung, sondern sind Teil eines umfassenderen Beziehungsnetzes, das auf sie Einfluss nimmt und das sie selber beeinflussen, angefangen bei den eigenen Kindern. Wenn Mann und Frau nicht einfach nur zusammenleben, sondern ihre Beziehung in der Eheschliessung öffentlich kundtun und feiern, tragen sie damit der sozialen Dimension der Partnerschaft Rechnung und bringen zum Ausdruck, dass sie nicht nur aus sich heraus und für sich selbst leben können und wollen.

Christliche Eheleute sind zudem mit der Gemeinschaft der Kirche verbunden durch die Taufe und den Auftrag Jesu, die Liebe Gottes in der Welt erfahrbar zu machen.

Als kirchliche Gemeinschaft beten die Versammelten im Feierlichen Trauungssegen für die Brautleute: „Hilf ihnen, eine christliche Ehe zu führen und Verantwortung in der Welt zu übernehmen; verleihe ihnen Offenheit für andere Menschen und die Bereitschaft, fremde Not zu lindern." Ein Segensgebet aus der „Ökumenischen Feier der Trauung" bringt den öffentlichen Charakter der Ehe mit folgenden Worten zur Sprache: „Sei du die verbindende Kraft im Leben von N. und N., damit ihre Ehe immer wieder ein Zeichen der Hofnnung wird in einer Welt, die sich nach Zärtlichkeit sehnt."

Es wäre wünschenswert, wenn die kirchliche Trauung vermehrt im Rahmen eines Pfarreigottesdienstes stattfindet, damit die Brautleute spüren, dass sie in ihren ehelichen und familären Aufgaben nicht allein gelassen, sondern von der Pfarreigemeinschaft getragen werden.

Josef Willa

 

Wider-Worte

Der ungebetene Hochzeitsgast

Die Glocken dröhnen ihren vollsten Ton,
und Fotografen stehen knipsend krumm.
Es braust der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn.
Der Pfarrer kommt! Mit ihm das Christentum.

Die Damen knien im Dome schulternackt,
noch im Gebet kokett und fotogen,
indes die Herren, konjunkturbefrackt,
diskret auf ihre Armbanduhren sehn.

Sanft wie im Kino surrt die Liturgie
zum Fest von Kapital und Eleganz.
Nur einer flüstert leise: Blasphemie!
Der Herr. Allein. Ihn überhört man ganz.

Kurt Marti (*1921)

Geistlicher Impuls

Das Sakrament der Ehe ist nicht nur Etwas, das einmal vollzogen würde und nachher wäre es vorbei, sondern es ist der lebendige Anfang von Gott her, der mitgeht durch alle Tage, und aus dem immer neu das Leben der Verbundenen aufsteigen soll. In christlicher Ehe stehen, heisst wissen um diese unerschöpfliche Anfangskraft, und dass sie auch die Kraft des Vollendens ist. Die Kraft, das gemeinsame Leben hinaufzuheben in das volle Ende und seine Gültigkeit.

Dazwischen aber liegt der Alltag. Seine Not und Versuchung ist die Alltäglichkeit, das Gewohntsein, das Altwerden im Überdruss.

So lange ist Leben lebendig, als es die Kraft des Neuwerdens hat. Und Neuwerden nicht von aussen her durch Veränderung und Anreiz, sondern von innen. Diese Kraft der Selbsterneuerung kommt aus dem Anfang. Und es ist eine Verheissung, so gross, dass sie fast lebensfremd scheint: es werde wirklich gelingen, die Alltäglichkeit zu überwinden, die aus dieser nächsten aller Nähen aufsteigt, aus dieser verfestigendsten aller Gewohnheiten, aus dieser Verlockung schlechthin zu allem, was Gehen-Lassen, Enttäuscht- und Schwerwerden bedeutet.

Aber die Verheissung ist gegeben. Und sich in christlicher Ehe verbinden, heisst auch, an sie glauben, und es in diesem Glauben mit dem Anderen wagen.

Romano Guardini (1885-1968)

Facts

"Das Sakrament der Ehe ist ein Zeichen für den Bund zwischen Christus und der Kirche. Er gibt den Gatten die Gnade, einander mit der Liebe zu lieben, mit der Christus die Kirche liebt. Die Gnade des Sakramentes vervollkommnet so die menschliche Liebe der Gatten, stärkt ihre unauflösliche Einheit und heiligt sie auf dem Weg zum ewigen Leben."

Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1661

Ablauf

Die Feier der Trauung in der Messe

1. Eröffnung mit Empfang des Brautpaares

2. Wortgottesdienst wie in der Messe üblich

3. Trauung

* Befragung der Brautleute
* Segnung der Ringe
* Vermählung
* Bestätigung der Vermählung
* Feierlicher Trauungssegen
* Fürbitten

4. Eucharistiefeier

5. Abschluss (evt. mit Unterzeichnung der Trauungsdokumente und Überreichung von Brot, Wein usw.)


Links

Infos und Tipps "Die kirchliche Trauung"

Allgemeine Einführung in die Feier der Trauung

Liturgisches Institut
der deutschsprachigen Schweiz
Impasse de la Forêt 5 A
CH-1700 Freiburg
Fon: 026 484 80 60
Fax: 026 484 80 69
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