Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Bistum Carcassonne thumbBischofsweihe

„Trage Sorge für die ganze Herde Christi ..."

Die allererste Bischofsweihe im erneuerten Ritus fand in der Schweiz statt - bei der Weihe von Anton Hänggi. Die Feier selbst sagt etwas über die Bedeutung des bischöflichen Amtes. 

Bischof kann einer nur in Gemeinschaft mit den bischöflichen Mitbrüdern, mit den Priestern, Diakonen und der ganzen Gemeinde sein. Die Kollegen im Bischofsamt, die Mitarbeiter des Bischofs und die ganze Ortskirche sind deshalb auch in der Feier der Bischofsweihe präsent und jeweils unterschiedlich beteiligt. Was ein Bischof ist, das zeigt sich schon in der Feier seiner Bischofsweihe.
Die Bischofsweihe wird immer in einer Eucharistiefeier vollzogen: Der Bischof ist der erste Vorsteher der Eucharistie in seiner Ortskirche. Bei der Weihe eines Diözesanbischofs in der Bischofskirche steht der Neugeweihte deshalb nach seiner Weihe der im Ablauf unmittelbar folgenden Eucharistiefeier vor.

Bischof in der Ortskirche

Das Miteinander von Bischof und den Gläubigen seiner Ortskirche kommt unter anderem in einer Anweisung zur Feier der Bischofsweihe zum Ausdruck: Sie soll „unter möglichst zahlreicher Beteiligung der Gläubigen" an einem Sonntag oder Festtag stattfinden (Einführung zur Bischofsweihe Nr. 11, siehe unten bei Links). So fand die Weihe von Markus Büchel an einem Sonntag (17. September 2006) statt und die Weihe von Vitus Huonder zum neuen Bischof von Chur wird am Fest Mariä Geburt (8. September 2007) gefeiert.
Die aktive, betende Beteiligung der Gläubigen geschieht vor allem durch das immer wiederholte Einstimmen und Zustimmen aller Gläubigen zu den Gebetsanrufungen der Litanei: „Segne deinen Diener Vitus, den du zum Bischof erwählt hast" – „Wir bitten dich, erhöre uns" – Segne, heilige und weihe deinen Diener, den du erwählt hast" – „Wir bitten dich, erhöre uns" – und so weiter mit noch anderen Gebetsanliegen.
Während die ganze versammelte Festgemeinde für den zum Bischof Erwählten betet, liegt dieser langgestreckt, mit dem Gesicht zum Bogen auf der Erde. Bevor er sein Amt antritt, verbeugt er sich nicht nur vor Gott, sondern er zeigt sich als ein demütiger Mensch vor Gott und den Menschen. Viele Heilige werden in der Litanei angerufen über dem auf dem Boden liegenden Mann, auf dass Gottes Gnade und Segen seinen neuen Dienst erfüllen mögen.

Bischof zusammen mit Priestern, Diakonen und Mitarbeitern

Vor der eigentlichen Weihehandlung fragt der Hauptzelebrant den zum Bischof Erwählten unter anderem: „Bist du bereit, zusammen mit deinen Mitarbeitern, den Presbytern und Diakonen, für das Volk wie ein guter Vater zu sorgen ...?" Mit seiner Antwort „Ich bin bereit" zeigt der Antwortende, dass er kein Einzelkämpfer sein kann und will. Die Sorge um seine Kirche liegt ganz in seiner Verantwortung, aber ohne Priester, Diakone und alle anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen könnte er diese Aufgabe nicht erfüllen.
Das Zueinander von Bischof und Mitarbeitern bringen in der Weiheliturgie die beiden mitwirkenden Priester und Diakone zum Ausdruck. Die Priester assistierten dem Erwählten und sie beteiligen sich bei seiner Vorstellung zu Beginn der Feier: Sie legen das Apostolische Ernennungsschreiben vor. Ausserdem bittet einer der beiden Priester (oder der bisherige Bistumsadministrator) jenen Bischof, der der Weihe als Hauptzelebrant vorstehen wird, den Priester Vitus Huonder zu ihrem Bischof zu weihen.
Die beiden Diakone üben eine bedeutsame Zeichenhandlung beim Weihegebet selber aus: Nach der schweigenden Handauflegung durch die Mitbischöfe legt der Hauptzelebrant dem Erwählten das geöffnete Evangeliar auf das Haupt. Während der Hauptzelebrant danach das Weihegebet singt oder spricht, halten zwei Diakone das Evangeliar weiterhin über seinem Haupt. Sie zeigen offensichtlich durch ihr Tun, dass der Bischof nicht über dem Evangelium steht, sondern unter dem Evangelium, das ihm zur Verkündigung „in Geduld und Weisheit" anvertraut ist (so später bei der Übergabe des Evangeliars). Diese Auflegung des Evangeliars gehört zu den ältesten Zeichenhandlungen der Bischofsweihe: Sie ist schon um 380 n. Chr. für Westsyrien bezeugt.

Bischof unter Mitbischöfen

Wie die Apostel am Anfang der Kirche eine Gemeinschaft bildeten, so bilden auch heute die Bischöfe ein Kollegium, das Bischofskollegium aus den Vertretern der vielen Ortskirchen. In diese apostolische Gemeinschaft wird der Erwählte aufgenommen durch einen bischöflichen Vertreter, der als Hauptzelebrant die Feier leitet.
Dieses Miteinander der Bischöfe kommt besonders bei der Kernhandlung der Weiheliturgie, der Handauflegung und dem Weihegebet (vgl. Apostelgeschichte 6,6), zum Ausdruck: Nach der Litanei erhebt sich die ganze Feiergemeinde. Der Hauptzelebrant legt schweigend dem Erwählten die Hände auf das Haupt. Nacheinander tun dasselbe nun auch die anderen Bischöfe. Die Mitbischöfe bleiben zum Weihegebet zu beiden Seiten des Hauptzelebranten stehen. Mit leiser Stimme sprechen sie die zentralen Aussagen des Weihegebets mit. Das in der nachkonziliaren Liturgie verwendetete Weihegebet lehnt sich im Wortlaut an ein altes Weihegebet aus dem 3. Jh. an. In diesem feierlichen Weihegebet loben die Zelebranten Gott für sein Wirken, sie rufen den Heiligen Geist auf den Erwählten herab und sie bitten Gott für ihn.
Die ganze feierliche Versammlung stimmt diesem Gebet durch den kurzen Ruf des „Amen" zu. Um den knienden Bischof herum begründet sich damit durch Handauflegung und Gebet die neue Gemeinschaft des bischöflichen Kollegiums. Durch eine Umarmung am Ende der eigentlichen Weihehandlung zeigen die mitfeiernden Bischöfe dem Neugeweihten seine Aufnahme in ihre Gemeinschaft.

Als Getaufter gesalbt zum Bischof

Nach dem Weihegebet salbt der Hauptzelebrant das Haupt des neugeweihten Bischofs mit duftendem Chrisam. Es ist nicht die erste Salbung mit Chrisam, die er erfährt, denn ohne Taufe und die Firmung kann niemand zum Bischof geweiht werden. Das Begleitwort zur Chrisamsalbung nach der Taufe deutet dieses Zeichen als Anteilgabe an Christus im Hinblick auf die priesterliche Würde aller Getauften: „Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt, denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit." (aus der Taufliturgie)
Bei der Chrisamsalbung in der Bischofsweihe wird die Teilhabe am Priestertum Christi noch stärker hervorgehoben und als besonderes und fruchtbares Wirken für andere angesprochen: „Gott hat dir Anteil gegeben am Hohenpriestertum Christi; er salbe dich mit der Kraft des Heiligen Geistes und mache dein Wirken fruchtbar durch die Fülle seines Segens." Den dreifachen Dienst Christi als Lehrer, Hirte und Priester übt der Bischof von nun an Kraft seines Amtes aus.
Während die Chrisamsalbung vor allem auf den priesterlichen Dienst verweist, zeigt die Übergabe des Evangeliars nach der Chrisamsalbung seinen Dienst als Verkünder und Lehrer des Wortes Gottes. Im Hirtenstab ist dazu der Dienst als Hirte symbolisiert. Bei der Überreichung an den neu geweihten Bischof heisst es: „Ich übergebe dir diesen Stab als Zeichen des Hirtenamtes. Trage Sorge für die ganze Herde Christi; denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche Gottes zu leiten." In dieser reichen liturgischen Feier wird also der neue Bischof inmitten seiner Ortskirche und in der Gemeinschaft seiner Mitbischöfe in sein Amt des Lehrens, Leitens und priesterlichen Dienens eingeführt.

Gunda Brüske

 

Stichwort

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  • durch die Feier der Ordination zum Bischof: 1. Übertragung der Fülle des Weihesakramentes, 2. Aufnahme in das Bischofskollegium, 3. Nachfolge Christi in der Ausübung seines Amtes als Lehrer, Hirte und Priester
  • Kern der liturgischen Feier: Handauflegung durch die bischöflichen Mitbrüder und Weihegebet
  • neue Liturgie der Bischofsweihe seit 1968 (überarbeitet 1989/90), deutsches Feierbuch: „Die Weihe des Bischofs, der Priester und der Diakone" (1994)

Facts

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„Die Bischöfe leiten die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi durch Rat, Zuspruch, Beispiel, aber auch in Autorität und heiliger Vollmacht, die sie indes allein zum Aufbau ihrer Herde in Wahrheit und Heiligkeit gebrauchen, eingedenk, dass der Grössere werden soll wie der Geringere und der Vorsteher wie der Diener (vgl. Lukas 22,26-27)."

Lumen Gentium Nr. 27

Ablauf

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1. Eröffnung mit Vorstellung des zum Bischof Erwählten

2. Wortgottesdienst wie in der Messe üblich

3. Weihe

  • Versprechen des Erwählten
  • Litanei
  • Handauflegung und Weihegebet
  • Salbung des Hauptes
  • Überreichung des Evangeliars und der bischöflichen Insignien
  • Umarmung des Neugeweihten durch die bischöflichen Mitbrüder

4. Eucharistiefeier mit besonderem Einschub im Hochgebet

5. Abschluss mit besonders feierlichen Elementen


Links

82959879757466155290Allgemeine Einführung zum Weihesakrament und zur Bischofsweihe (Kapitel I)

Liturgisches Institut
der deutschsprachigen Schweiz
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