Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

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Kirche sein im Feiern und Verstehen

wasser thumbWasser

Lebensnotwendig von der Taufe bis zum Tod

Ohne Wasser kein Leben - das gilt für alle Menschen. Wasser-Zeichen markieren das Leben von Christen. Die Liturgie macht ausführlich Gebrauch von dieser Gottesgabe.

Lebendiges Wasser

„Tauft folgendermassen: ... Wenn du kein lebendiges Wasser hast, taufe in anderem Wasser; wenn du es nicht in kaltem Wasser kannst, dann in warmem. Wenn du aber beides nicht hast, giesse über den Kopf dreimal Wasser aus auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Diese Anweisung aus der Didachè, einer frühchristlichen Gemeindeordnung, regelt um die Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert den Taufvollzug, spiegelt aber auch zeitlich und kulturell bedingte sowie allgemein-menschliche Einstellungen zum Wasser wider. An erster Stelle steht das lebendige, fliessende Wasser. Ist solches nicht vorhanden, möge das Taufwasser kalt sein; wenn es auch daran mangelt, wird warmes, abgestandenes Wasser zugelassen.

Bedrohung und Kraft

Die Taufanweisung lässt die Ambivalenz des Wassers erkennen: Es schenkt und erhält Leben und ist Quelle der Fruchtbarkeit; aber es kann auch zur bedrohlichen Macht werden, wenn die Fluten ungebändigt strömen oder wenn es unrein ist. In der Antike galt stehendes Wasser in Tümpeln und Sümpfen, durch das Krankheiten wie Malaria übertragen wurden, als Sitz von gott- und lebensfeindlichen Mächten, von Dämonen. Weil gerade die Taufe Gabe neuen Lebens in Christus ist, war für die Didachè die Qualität des Taufwassers nicht belanglos, trotz aller Entmythologisierung, die der christliche Glaube in der Auseinandersetzung mit der antiken Denkwelt bewirkte. Dennoch hängt der Taufvollzug letztlich nicht von der Qualität des Wassers ab. Denn dessen Symbolkraft reicht tiefer: Als sakramentales Zeichen bezeichnet es die Reinigung, die Abkehr vom alten und die Gabe des neuen Lebens; die Taufe durch Untertauchen bringt damals wie heute besonders eindringlich das Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus (Römerbrief 6,3-5) zum Ausdruck. Zwar kennt die Liturgie heute keine Vorschriften für die Beschaffenheit des Taufwassers mehr, doch haben die Christen über alle Konfessionsgrenzen hinweg an diesem starken Symbol und am Kern seiner Deutung festgehalten.

Reinigung und Erinnerung

In weiteren Riten der katholischen Liturgie symbolisiert das Wasser meistens Reinigung von Schuld, z.B. bei der Händewaschung des Priesters während der Gabenbereitung der Messe. Reinigung bewirken und zugleich die Taufe als ein Geschehen, das im ganzen Leben zu entfalten ist, je neu ins Bewusstsein heben, soll auch die Aussprengung des Weihwassers zu Beginn der Sonntagsmesse. Vom Motiv her damit verbunden ist die individuelle Bezeichnung mit Weihwasser, die bis vor einer Generation in wohl allen katholischen Familien täglich geübt wurde und als Schutz vor Gefahr und Unheil galt; Kern ist aber auch hier die Tauferinnerung. Einen besonderen Stellenwert hat die Weihe des Wassers in der Osternacht, dem zentralen Gottesdienst im Jahreslauf, die auf die Taufe ausgerichtet ist, die anderen genannten Motive aber nicht ausschliesst. Frühere Generationen schrieben stärker als heute dem Wasser apotropäische Kraft zur Abwehr des Bösen zu, gerade bei Segnungen von Personen und Sachen im öffentlichen und privaten Raum.

Lebensanfang und Lebensende

Am Hohen Donnerstag begegnet das Wasser in der Abendmahlsmesse bei der Fusswaschung gemäss Johannes 13, die jahrhundertelang vor allem in der klösterlichen Liturgie als Zeichen der Gastfreundschaft und des Dienens praktiziert wurde und auch heute die Bereitschaft zum Dienst aneinander und zur Selbsthingabe bezeichnet. In der Begräbnisliturgie besprengen vielerorts nicht nur der Vorsteher, sondern alle Anwesenden den Leichnam mit Wasser; durch dessen Übergiessen in der Taufe hat der Lebensweg als Christ begonnen, dessen Vollendung durch Gott für den Verstorbenen erhofft wird.

Wasser – ein lebensnotwendiges Element; in die Liturgie integriert wird es als Schöpfungsgabe Gottes auf vielfältige Weise zum starken Zeichen wahren und erfüllten Lebens.

 

Martin Klöckener

 

Wider-Worte

"Das Weihwasser nehmen bedeutet nicht mit allen Wassern gewaschen zu sein ..."

Erich Garhammer (2007)

Geistlicher Impuls

Medium der Verwandlung

"In den grossen Rahmen der Todes- und der Lebenssymbolik des Wassers gehört auch der natürliche Akt und rituelle Gestus der Wassertauche. Denn er ist seinem Symbolsinn nach Auslieferung an die zwiefältige Macht des Wassers, ist Untergang und Aufgang, Auslöschung und Neuformung, Sterben und Wiedergeburt, Tod und Auferstehung.

Das Wasser als das Gestaltlose, Amorphe, das Element des fliessenden Formenwechsels ist ja so recht das Medium der Verwandlung, des Durchgangs und Hinübergangs aus einer Gestalt in die andere, der Wandlung von Existenz zu Existenz, der Vernichtung und Neuschöpfung. Das Wasser löst die Formen auf, es zieht das in ihm Untertauchende gleichsam wieder ins Chaotische hinab, um es fähig zu machen zu neuer Schöpfung und Geburt.

Was aber aus dem Wasser auftaucht, ist Kosmos, neue Gestalt, erneute Kreatur. Eintauchen und Auftauchen sind somit Erfahrung von Ende und Neubeginn, Zerstörung und Regeneration des Lebens."

Photina Rech (1966)

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