https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Dnalor_01Liedimpuls 18 - Des einzigen Königs Thorn: das Kreuz

Du König auf dem Kreuzesthron,
Herr Jesus Christus, Gottes Sohn:
Dein Herz, verwundet und betrübt,
hat uns bis in den Tod geliebt.

 

 

 

Die dich verworfen und verhöhnt,
hast du geheiligt und versöhnt;
im Tod hast du, o Schmerzensmann,
dein göttlich Herz uns aufgetan.

 

O Quell, der unser Leben nährt,
o Herz, das sich für uns verzehrt,
schließ uns in deine Liebe ein
und lass uns immer bei dir sein.

 

Katholisches Gesangbuch 212

 

Der moderne Text und die alte, strenge Melodie relativieren den engen Geschichtsbezug des Christkönigsfests zwischen den Weltkriegen und machen das Lied zu einer kritischen Meditation über unsere Herrschaftsverhältnisse.
Der Christkönigssonntag ist ein modernes, auch ein polemisches Fest. Es wurde 1925 von Papst Pius XI. eingeführt. In einer politisch sehr instabilen Zeit, in der die Königsherrschaften im alten Europa grad untergegangen waren, sollte mit diesem Fest die Anerkennung der einzig wahrhaftigen Königsherrschaft, jene des Königs des Weltalls, Jesus Christus, verbreitet – und damit verbunden natürlich auch die politische Macht der Kirche gestärt werden.

Die triumphalistische Sicht der Kirche scheint inzwischen überwunden. Bleibt der theologische Gehalt des Fests Christkönig. Am letzten Sonntag im Jahreskreis gefeiert, gibt es den Zielpunkt des Kirchenjahres an: den erhöhten Herrn. Er soll auch Zielpunkt unserer irdischen Wanderschaft sein. Das Königreich Christi ist zwar nicht von dieser Welt, aber das Reich Gottes ist schon mitten unter uns angebrochen. Unser Lieddichter Friedrich Dürr, der als Feldprediger im zweiten Weltkrieg viel Grässliches hat erleben müssen, bringt das auch heute noch politisch Brisante des Christkönigsfestes bereits in der ersten Liedzeile verdichtet auf den Punkt: „Du König – auf dem Kreuzesthron“! Der wahre, einzige König ist der, der sein Leben hingab für die Menschen. Herrschaft ausüben heisst dienen. Seine Macht einsetzen für andere, sich aufopfern für andere: „Dein Herz, verwundet und betrübt, hat uns bis in den Tod geliebt.“ Deshalb kann sich angesichts dieses Königs niemand anmassen, über andere Herrschaft auszuüben.
Die vom bedeutenden Bibelübersetzer, Dichter und Komponist Caspar Ulenberg aus der Reformationszeit stammende Melodie verleiht dem Lied die nötige Strenge und Würde.
„Im Tod hast du, o Schmerzensmann, dein göttlich Herz uns aufgetan.“

 

Peter Spichtig op, Liturgisches Institut

 

 

Das Lied zum Hören