maria heimsuchungLiedimpuls 19 - Nun singen sie mir Lob durch alle Zeiten

Mein Herr und Gott, auf ewig sei gepriesen,
es jubeln Geist und Seele auf in mir.
Du hast mir Gnade wunderbar erwiesen,
was immer Du nur willst gescheh' an mir.

 

Katholisches Gesangbuch 746

 

Anlass zum bekanntesten biblischen Lobgesang ist die herzliche Begegnung zweier schwangeren Frauen. Eine anregende Neudichtung des Magnificats stammt hingegen von einer Ordensfrau, von Silja (Hedwig) Walter. Sie scheut sich nicht davor, sich und uns darin vorkommen zu lassen.
Lukas schreibt Maria jene Verse zu, die den Höhepunkt des Abendgebets, der Vesper, bilden. Komponisten aller Jahrhunderte haben es vertont. Im KG sind die Verse Lk 1,46-55 auf Deutsch zu finden: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“ (KG 274/322). Unter den Marienliedern finden sich neben dem unserer Autorin drei weitere, die vom Magnificat inspiriert sind.
Wer täglich „der Mächtige hat Grosses an mir getan“ singt, wird sich mehr und mehr mit der Haltung Mariens identifizieren. Das sieht man dem Text der Benediktinerin aus dem Kloster Fahr an. Sie macht ihn sich zur persönlichen Abendmeditation, indem sie statt „auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“ zum Singen vorschlägt: „Du hast auf meine Niedrigkeit gesehen und hebst empor mich, Deine kleine Magd.“ Dies ehrlich zu singen verlangt danach, so zu leben, dass ich dem Handeln Gottes an mir bewusst Raum gebe.
Sr. Hedwig bindet den Text aber auch noch stärker an Maria an. „Du hast mir Gnade wunderbar erwiesen, was immer Du nur willst gescheh' an mir“ spielt deutlich an die Verkündigungsszene an. Und die Welt lässt sie darüber staunen, „dass Du ein solches Wort zu mir gesagt.“ Vom Wort steht im Magnificat nichts. Aber wir wissen: Das Wort ist Fleisch geworden, durch eine Frau. Unsere Autorin steht hier ganz in der Tradition der Mystik, etwa eines Meister Eckhart. Sie meditiert die Einzigartigkeit Mariens zusammen mit der Berufung aller: so wie einst Maria Gott das Ja zur Antwort zu geben, damit auch durch uns sein Wort Fleisch: konkretes Leben werde.
So seien also die Männer eingeladen, sich bei „Magd“ durchaus mitgemeint zu fühlen: auch auf ihre Niedrigkeit hat der Herr geschaut. Neue Männer braucht das Land, denn: „den Stolzen wird er die Gewalt entreissen“.

Peter Spichtig op, Liturgisches Institut

 

Das Magnificat von John Rutter

Das Magnificat in D-Dur von J. S. Bach (BWV 243)