Versoehnungsweg kirchdorfEin Versöhnungsweg mit Jugendlichen

Die traditionellen Wege zu Busse und Beichte sind weitgehend verschüttet. Geblieben ist die Erfahrung, dass im Leben nicht alles gerade läuft, dass es Irrwege gibt und auch Schuld. Dass wir als Menschen der Versöhnung bedürfen: mit unserem eigenen Leben und mit Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung. Und dass man Versöhnung nicht einfach machen kann.

Dass sie ein Geschenk ist. Ein Geschenk, das die kirchliche Gemeinschaft vermitteln kann. Die Österliche Busszeit bietet sich an als Raum, in dem das erfahren werden kann.

Versöhnung – ein Prozess

Lange Zeit war die traditionelle Beichte ein Ort der Versöhnung. Und für manche Menschen ist sie dies auch heute. Andere tun sich damit schwer. Es ist ihnen zu viel, was da innerhalb einer kurzen Zeit geschehen soll: Da soll man sich Rechenschaft geben über das Leben, sich klar werden, was da vor Gott gut ist und was nicht. Man soll sich von dem, was verkehrt und böse ist, innerlich distanzieren und es von Herzen vor Gott bereuen. Man soll es in Worte fassen und bekennen, dazu Zuspruch und Vergebung erfahren, dafür danken und sein Leben neu orientieren. Das ist ein Programm, das eher Wochen und Monate füllt als eine halbe Stunde. Da kann es nicht wundern, wenn gerade junge Menschen mit ihrem Sinn für Ehrlichkeit sich überfordert fühlen und keinen Zugang dazu finden, zumal ihnen Gebet und gottesdienstliches Handeln ohnehin eher fremd ist.
Auf diesem Hintergrund gibt es Versuche, die liturgische Versöhnung als einen Weg mit Start und Ziel zu gehen. Gestartet wird noch ausserhalb der Kirchenmauern, der Eintritt in den Raum aus Stein soll eine erste Erfahrung davon geben, was Kirche als Gemeinschaft von Gläubigen ist. Drinnen wird näher gefragt: Was zeichnet unsere Gemeinschaft aus? Was sind wir füreinander? Welche Ansprüche werden an uns gestellt, was gibt uns die Gemeinschaft? Mit diesen Fragen werden die jungen Menschen entlassen auf einen Weg von mehreren Wochen. Als Proviant bekommen sie dazu noch einen Text der Heiligen Schrift mit. Sehr geeignet dafür ist die Perikope mit den Seligpreisungen (Mt 5,1-12) – ein alternatives Lebensmodell.
In dieser Zeit sollen sie darüber nachdenken, sich untereinander austauschen, das Gespräch mit Menschen suchen, die ihnen auf ihre Fragen authentisch Auskunft geben können.
Am Ende des Weges steht ein Versöhnungsgottesdienst mit sakramentaler Lossprechung bzw. ein persönlich zugesprochenes fürbittendes Gebet als Höhepunkt. Zeichenhaft wird Belastendes, das jeder auf ein Blatt schreiben konnte, verbrannt. Und wenn jeder ein Körnchen Weihrauch auf die Glut legen darf, kann er Dank und Bitte, die er im Herzen trägt, im Rauch vor Gott aufsteigen zu lassen. An den Gottesdienst schliesst sich eine Agape an, die noch einmal erleben lässt, dass Christ zu sein und als solcher zu leben, nicht nur Privatsache ist, sondern dass man dabei mit anderen unterwegs ist.


Eduard Nagel

Liturgisches Institut
der deutschsprachigen Schweiz
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