image kommunionTipps für Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer

Die folgenden Tipps sind keine Gebote oder gar Gesetze. Im einen oder anderen Fall mag die gute Praxis in Ihrer Gemeinde anders aussehen. Die Tipps sind eine Hilfe für alle, die sich auf den ersten Dienst als Kommunionhelferin oder Kommunionhelfer vorbereiten und Anregung zum Nachdenken über die eigene Praxis für alle, die den Dienst (schon lange) ausüben. Dabei haben selbstverständlich nicht alle Tipps die gleiche Wichtigkeit.

 

Die Tipps sind formuliert im Hinblick auf die Kommunionspendung in der Eucharistiefeier, gelten aber in den meisten Fällen auch für die Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung.

 

Es gibt sicher mehr als diese Tipps. Vielleicht haben auch Sie Beobachtungen gemacht, die Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfern bei ihrem Dienst nützlich sein können. Lassen Sie sie uns wissen, vielleicht sind es dann bald mehr Tipps…

 

1. Ihr Dienst ist Zeugnis

Durch die Art und Weise der Ausübung Ihres Dienstes legen Sie Zeugnis ab für den Glauben an den in der Eucharistie und in der feiernden Gemeinde gegenwärtigen Christus. Sie sind damit im wahrsten Sinn Helferinnen und Helfer der Kommunion, der "communio", der Gemeinschaft mit Christus und untereinander in der Eucharistie. Auch mit Ihrer Kleidung und Ihren Bewegungen können Sie Ihren Respekt gegenüber der Eucharistie und der feiernden Gemeinde bezeugen. Deshalb ist auch hier Sorgfalt geboten.

 

2. Kleidung

Auch wenn Sie in Ihrem Dienst keine liturgische Kleidung (Albe oder Tunika) tragen, sollte Ihre Kleidung angemessen sein. Sie sollte nicht provozieren und eine Kniebeuge ermöglichen (und nicht nur einen «Hofknicks») dort, wo sie üblich und möglich ist. Durch schöne Kleidung, die Ihnen entspricht, tragen Sie zu einer festlichen Atmosphäre des Gottesdienstes teil. Bei der Wahl der Schuhe achten Sie darauf, dass die Sohlen nicht zu laut sind, dass Sie gut und sicher Stufen gehen können und dass Sie damit eine Kniebeuge machen können, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten.

 

3. Bewegung und Handhaltung

Gehen Sie die Wege ohne Hostienschale oder Kelch zum Altar und die Wege zum Ort der Kommunionspendung ruhig und würdevoll, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Achten Sie beim Gehen und Stehen auf die Haltung Ihrer Hände. Sie können das Schreiten und die Handhaltung in der leeren Kirche einmal üben (jeder und jede muss z.B. seine eigene Handhaltung «herausfinden», sicher nicht die Hände in der Hosentasche oder hinter dem Rücken). Eine gute Möglichkeit der Handhaltung beim Stehen (neben dem Falten der Hände) ist z.B. das Legen der einen in die andere Hand auf der Höhe des Unterleibs. Werden Hostienschale, Ziborium oder Kelch getragen, sollten sie möglichst mit beiden Händen gehalten werden.

 

4. Vertrautmachen mit dem Altarraum

Machen Sie sich vor dem ersten Dienst mit der «Topografie» der Kirche und des Altarraums gut vertraut und schreiten Sie die Wege ab. Wo sind wieviel Stufen und welche Hindernisse gibt es (Kerzenleuchter, Figuren, Blumengestecke,…)? Auch wenn Sie den Altarraum vom Anschauen schon viele Jahre kennen, wirkt er doch anders, wenn Sie sich erstmals in ihm bewegen. Und Stufen übersieht man leicht, wenn man eine Hostienschale oder einen Kelch in den Händen trägt. Wegen Sturzgefahr, aber auch, weil es meist nicht schön aussieht, sollten Sie Rückwärtsbewegungen vermeiden und sich lieber in Ruhe umdrehen.

 

5. Ziborien

Ziborien (Behälter für konsekrierte Hostien) können tückisch sein. Manchmal ist der Deckel gegenüber dem Gefäss verzogen und klemmt. Es ist sinnvoll und kein grosser Aufwand, das Abheben des Deckels (wenn dies zu Ihrer Aufgabe gehört), vor dem Gottesdienst einmal zu üben oder wenigstens den Sakristan zu fragen, ob irgendetwas klemmen kann.

 

6. Komplizierte Tabernakelschlösser

Tabernakelschlösser sind oft eigen. Wenn es vor Ort zu Ihrem Dienst gehört, den Tabernakel aufzuschliessen und konsekrierte Hostien zum Altar zu bringen, machen Sie sich vor dem Gottesdienst mit der Schliesstechnik vertraut oder fragen Sie zumindest den Sakristan, ob es irgendwelche Schwierigkeiten geben kann.

 

7. Seien Sie rechtzeitig in der Sakristei

Es ist sinnvoll, dass der Kommunionhelfer oder die Kommunionhelferin vor dem Dienst noch in der Sakristei vorbeischaut für letzte Absprachen. Wenn das auch bei Ihnen üblich ist, kommen Sie rechtzeitig und nicht erst fünf Minuten vor Beginn, damit kurz vor dem Gottesdienst in der Sakristei Ruhe einkehren kann. Dies gilt auch, wenn Sie mit dem Priester und den Ministranten zu Beginn des Gottesdienstes in die Kirche einziehen.

 

8. Hände waschen und nötige Absprachen

Aus hygienischen Gründen ist es unbedingt notwendig, dass Sie sich unmittelbar vor dem Gottesdienst in der Sakristei die Hände waschen. Dies verlangt sowohl der Respekt vor der Gemeinde als auch vor der Eucharistie. Es gibt Orte, an denen in der Sakristei auch ein Spender mit Desinfektionsflüssigkeit zur Verfügung steht. In manchen Pfarreien waschen sich die Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer unmittelbar vor ihrem Dienst (also während des Agnus Dei) an einer Kredenz die Hände – eine gute Praxis, die aber das Händewaschen in der Sakristei nicht ersetzt.

 

9. Kniebeuge und Verneigung

Wann Sie wo eine Kniebeuge oder eine Verneigung machen, hängt sehr von den örtlichen Gewohnheiten ab. In der Regel gilt, dass man vor Kreuz und Altar eine Verneigung macht, vor dem Tabernakel oder dem Allerheiligsten (auch wenn es auf dem Altar steht) eine Kniebeuge. Eine Kniebeuge bedeutet normalerweise das Berühren des Bodens mit dem rechten Knie. Wer aus gesundheitlichen Gründen oder wegen seines Alters nicht mehr mit der nötigen Sicherheit eine solche Kniebeuge machen kann, verneigt sich. Besser eine würdige Verneigung als eine «unschöne» oder unsichere Kniebeuge. Bei der Verneigung, sei es nur mit dem Kopf oder mit dem ganzen Oberkörper, achten Sie darauf, dass die Augen nach unten gerichtet sind.
Achten Sie auch darauf, dass Sie keine Verneigung oder Kniebeuge machen, wenn Sie eine Hostienschale oder einen Kelch in den Händen halten.
Am Tabernakel ist es üblich, dass nach dem Öffnen oder vor dem Schliessen der Tabernakeltür nochmals eine Kniebeuge gemacht wird.

 

10. Kinder, die noch nicht zur Erstkommunion gegangen sind

An vielen Orten ist es üblich, dass Kinder, die noch nicht zur Erstkommunion gegangen sind, mit den Eltern nach vorne kommen und gesegnet werden. Auch Sie dürfen segnen. Erkundigen Sie sich, wie es in Ihrer Gemeinde üblich ist.

Hier finden Sie Vorschläge und Tipps dazu. 

 

11. Unsicherheiten bei Alter von Kindern

Wenn Sie nicht sicher sind, ob ein Kind schon zur Erstkommunion gegangen ist, fragen Sie das Kind. Wenn es ratlos auf Ihre Frage reagiert, wird es kaum schon zur Erstkommunion gegangen sein. Wenn es mit den Eltern zur Kommunionspendung kommt, können Sie auch die Eltern fragen.

 

12. Wiederverheiratet Geschiedene oder Mitglieder anderer Kirchen

Der Moment der Kommunionspendung ist nicht der Moment, zu entscheiden, ob Wiederverheiratet Geschiedene oder Mitglieder anderer Kirchen die Kommunion empfangen dürfen. Hier übernehmen Sie die in Ihrer Pfarrei übliche Praxis, über die die Verantwortlichen in der Gemeinde entscheiden und entsprechend informieren.

 

13. Es gibt keinen Grund für Eile

Der Dienst soll ruhig ausgeübt werden. Dies gilt auch für das Austeilen der Eucharistie. Nehmen Sie sich Zeit für jede und jeden Einzelnen, auch wenn der Priester oder andere «Profis» schneller sind als Sie.

 

14. Verhalten Sie sich einladend und lassen Sie niemand unbewusst aus

Beginnen und beenden Sie Ihren Dienst in Ruhe. Wenn Sie am Platz der Kommunionspendung angekommen sind, laden Sie die Menschen mit einem freundlichen Blick zur Kommunion ein, wenn sie nicht von selbst kommen. Am Ende nehmen Sie sich die Zeit, noch einmal zu schauen, ob nicht doch noch jemand zu Ihnen unterwegs ist. Erst dann bringen Sie die übriggebliebenen Hostien zum Altar oder in den Tabernakel.

 

15. Kommunikanten mit körperlichen Einschränkungen

Schauen Sie sich vor oder nach dem Dienst um, ob es Gläubige gibt, die aufgrund irgendwelcher Einschränkungen darauf angewiesen sind, dass Sie zu ihnen kommen, um ihnen die Kommunion zu reichen.

 

16. "Kommunizieren" Sie mit den Empfängern der Kommunion

Die Spendung der Kommunion ist auch ein Kommunikationsakt. Sie kommunizieren mit der Person, die zur Kommunion kommt. Nehmen Sie in Ruhe eine Hostie, zeigen Sie die Hostie Ihrem Gegenüber, dann schauen Sie Ihr Gegenüber an und sagen Sie «Der Leib Christi». Warten Sie auf das "Amen" des Kommunikanten/der Kommunikantin, vor allem, wenn er/sie die Kommunion direkt mit dem Mund empfängt.

Wenn Sie die Kelchkommunion austeilen, schauen Sie den Kommunikanten an, wenn Sie sagen "Das Blut Christi". Reichen Sie ihm dann in Ruhe den Kelch.

Hier finden Sie einen Impuls zur Spendeformel bei der Kommunion.

 

17. Das Reichen des Kelches

Achten Sie bei der Kelchkommunion darauf, dass Sie den Kelch in einer Höhe überreichen, in der der Kommunikant/die Kommunikantin den Kelch gut übernehmen kann. Lassen Sie den Kelch erst los, wenn Ihr Gegenüber den Kelch sicher hält (oft kann man den Kelch noch so lange am Kelchfuss halten, bis der Kommunikant/die Kommunikantin die Hand um den Kelchknauf geschlossen hat). Seien Sie auch bei der Rückgabe sehr aufmerksam. Wenn Sie den Kelch wieder in den Händen halten, reinigen Sie sorgsam den Kelchrand mit dem Kelchtuch und drehen Sie den Kelch um eine Vierteldrehung. Lassen Sie sich die nötige Zeit dafür, dann erst reichen Sie den Kelch der nächsten Person.

Viele Kommunikanten kommunizieren am Kelch, indem sie die Hostie in den Kelch tauchen, obwohl diese Form des Empfangs nicht sehr sinnvoll und eigentlich verboten ist. Falls jemand so kommuniziert, "verfolgen" Sie, soweit möglich, die getränkte Hostie, mit dem Kelchtuch. Falls sich von der Hostie ein Tropfen lösen würde, wird dieser vom Kelchtuch aufgefangen.

Die Kelchkommunion braucht etwas Übung, ist aber weniger kompliziert, als es durch diese Beschreibung scheinen könnte. Unabdingbar ist, dass Sie vor Ihrem ersten Einsatz die Möglichkeit haben, die Kelchkommunion zu üben.   

 

18. Was tun, wenn eine Hostie auf den Boden fällt?

Geraten Sie nicht in Panik, wenn beim Austeilen der Hostien eine auf den Boden fällt. Der korrekte Umgang mit dieser Situation ist, dass Sie die Hostie aufheben, auf das Korporale auf dem Altar legen und nach dem Austeilen den Priester darauf aufmerksam machen. Er wird sich darum kümmern (die Hostie in Wasser auflösen und das Wasser im Erdreich versickern lassen). Einfacher ist es, wenn Sie die Hostie aufheben und sofort selbst essen («summieren»), falls der Boden nicht verschmutzt ist.

 

19. Was tun, wenn konsekrierter Wein verschüttet wird?

Auch hier gilt: geraten Sie nicht in Panik. Unterbrechen Sie die Kommunionspendung, stellen Sie den Kelch auf den Altar und nehmen Sie den verschütteten konsekrierten Wein mit dem Kelchtuch auf (versuchen Sie dies nicht mit dem Kelch in der einen und dem Kelchtuch in der anderen Hand). Wischen Sie damit den Boden und legen Sie das Kelchtuch auf den Altar, damit es nach der Messe ausgewaschen werden kann. Zur weiteren Kommunionspendung benutzen Sie ein frisches Kelchtuch.

 

20. Was tun, wenn die Hostienschale leer ist?

Wenn Ihnen die Hostien ausgehen, können Sie zum Priester oder einem anderen Kommunionhelfer gehen und dort Ihre Hostienschale wieder auffüllen. Sind es nur wenige, die noch kommunizieren wollen, können Sie die letzten Hostien auch brechen.

 

21. Hand- oder Mundkommunion?

Sowohl Hand- als auch Mundkommunion können Ausdruck der Eucharistischen Frömmigkeit sein und haben beide eine lange Tradition. Es ist nicht Ihre Aufgabe, die Menschen zur einen oder anderen Form des Empfangs zu erziehen. Hüten Sie sich davor, die eigene Praxis als die richtigere Anzusehen. Bei der Handkommunion ist es meist einfach, die Hostie zu spenden, indem Sie sie zwischen dem Zeigefinger (unten) und dem Daumen (oben) halten. Bei der Mundkommunion ist es für viele einfacher, es umgekehrt zu tun, also den Daumen unten und den Zeigefinder oben. Finden Sie durch Ausprobieren die konkrete Art und Weise der beiden Spendemöglichkeiten heraus, bei denen Ihnen wohl ist.

 

22. Zu guter Letzt…

Manchmal ist es gut, sich daran zu erinnern, dass man bei der Ausübung eines liturgischen Dienstes nicht dazu gezwungen ist, böse oder besonders ernst zu schauen. Der Dienst der Kommunionhelferin und des Kommunionhelfers ist ein schöner Dienst. Deshalb dürfen Sie bei seiner Ausübung ein freundliches Gesicht machen und ab und zu sogar lächeln…

 

 

 

Martin Conrad, 2.11.2017

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