Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater ... – Embolismus

Frage: Manche Priester schließen beim Vaterunser in der Eucharistiefeier nach der letzten Bitte direkt die Worte an: „Denn dein ist das Reich ...", während andere das Gebet einfügen: „Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden ..." Was ist eigentlich der Sinn dieses Gebets? Und sollte man nicht aus ökumenischen Gründen – weil die evangelischen Mitchristen das Vaterunser immer mit diesem Abschluss beten – grundsätzlich auf den Einschub verzichten?

 

Antwort: Der „Embolismus" – so heisst diese Bitte um Frieden – reicht in seiner Frühform wohl bis ins 5. Jahrhundert zurück, als Rom in den Pfingsttagen des Jahres 455 von Geiserich und seinen Vandalen geplündert wurde. Die inständige Bitte um Frieden hat bis in unsere Tage nichts an Aktualität verloren. Darum wurde das „Erlöse uns..." bei der Liturgiereform nach dem 2. Vatikanischen Konzil an dieser Stelle belassen, obwohl zur gleichen Zeit im deutschen Sprachgebiet die katholische Kirche mit den protestantischen Kirchen übereinkam, das Vaterunser mit der sog. Doxologie „Denn dein ist das Reich ..." abzuschließen.

Diese Doxologie stammt im Übrigen nicht von Jesus Christus, sondern aus dem ersten Buch der Chronik (vgl. 1 Chr 29,11-13). Der uns bekannte Text: „Denn dein ist das Reich ..." ist nicht biblisch; er wird erstmals in der Didache („Zwölfapostellehre") erwähnt, deren Ursprung wohl in das 1. Jahrhundert zurückreicht.

 

Eduard Nagel (23.05.2014)