Logo KiLiWas Kinder im Gemeindegottesdienst können und dürfen

Kinder sollen sich im Gemeindegottesdienst wohl fühlen, sie sollen gerne mitfeiern. Darum werden sie so viel wie möglich in das Geschehen aktiv einbezogen: durch das Vortragen eines kurzen Texte, in einem Anspiel usw. Nicht immer gelingt das so, dass damit alle Mitfeiernden froh sind. Vor allem dann nicht, wenn die Kinder von ihrer Aufgabe überfordert werden. Kinder müssen als Kinder ernst genommen werden.

 

Zum Gelingen können ein paar Grundsätze beitragen:

 

  • Kinder freuen sich und sind stolz, wenn ihnen etwas zugetraut wird, was eigentlich für „die Grossen" ist. Allerdings können sie nicht immer selbst einschätzen, ob sie einer Aufgabe wirklich gewachsen sind. Sie sollen nur das tun, was sie auch können, damit sie nicht enttäuscht werden, wenn ihnen etwas – öffentlich vor anderen – misslingt.
  • Kinder sollen nur Texte vortragen, die sie selbst verstehen. Insbesondere sollen Fürbitten wirklich Bitten sein, die von ihnen selbst kommen und die von ihnen selbst formuliert wurden. Das gebietet die Ehrlichkeit.
  • Für den Vortrag von Texten durch Kinder ist eine Probe mit dem Mikrofon unverzichtbar. Die Mühe, so lange zu proben, bis der Text wirklich gut verständlich vorgetragen wird, lohnt sich für die Kinder selbst und für die anderen Mitfeiernden.
  • Wenn Kinder ein spielerisches Element zur Gestaltung beitragen, muss das in den Rahmen des Gottesdienstes passen und so gut vorbereitet sein, dass das Spiel die Mitfeiernden anspricht, damit die grundsätzlich positive Atmosphäre nicht gestört wird.
  • Sinnvoll ist es, Kinder regelmässig durch eine bestimmte Aktivität, die ihnen vertraut ist, in das Geschehen einzubeziehen: Z. B. können sie mit einem Teelicht an der Evangelienprozession teilnehmen oder die Gabenprozession mit Teelichtern anführen oder beim Hochgebet links und rechts vom Altar eine Ehrengarde bilden oder zum Vaterunser einen Halbkreis um den Altar bilden.
  • Geschichten aus der Heiligen Schrift sind grundsätzlich für Kinder ebenso spannend wie andere Geschichten. Sie bedürfen vielleicht einer kurzen Einführung oder einer anschliessenden Deutung, damit sie verstanden werden, aber sie sollen nicht ersetzt und auch nicht „entschärft" werden.
  • Auch andere Texte der Heiligen Schrift, die auf den ersten Blick für Kinder wenig geeignet erscheinen, sollen nicht ersetzt werden. Kinder wollen die Welt der Erwachsenen verstehen und sie sind in ihrem Leben auch schon mit der Gebrochenheit menschlichen Lebens oder sogar mit Sterben und Tod konfrontiert. Der Gottesdienst kann ein Ort sein, an dem sie erleben, dass auch ihre tiefsten Ängste und Probleme zur Sprache kommen und ernst genommen werden wie vielleicht nirgends sonst. So verstehen sie intuitiv, dass die Kirche und der Gottesdienst Orte sind, wo auch innere Nöte Platz haben.

Eduard Nagel (11.12.2013)