Musik

Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

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Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

Einzug in Jerusalem Fresko thumbKG 377 - "Wir ziehen vor die Tore der Stadt..." (GL 225)

„Er ist entschlossen Wege zu gehen, die keiner sich getraut", und prompt moduliert die Melodie in eine andere Tonart... Aber der Herr bleibt dabei konsequent und sich treu, am Ende der Strophe sind wir wieder in der Grundtonart zuhause, beinahe: Aus Moll ist Dur geworden, es hat sich bei gleichem Grundton doch der Charakter verwandelt und sein „Hinausgehen" die Welt heller und lichter gemacht.

Die Idee, dem Herrn entgegen zu gehen und nicht einfach zu warten, dass er schon von selber „in der Stadt" ankommt, entstammt biblischem Erzählen (zum Beispiel dem Gleichnis der klugen und der törichten Jungfrauen), bekommt hier aber noch eine soziale Beleuchtung. Es geht nicht zuletzt auch um das Hinausgehen zu den Ausgegrenzten, den Nicht-Integrierten, zu den Verlierern und den Abgelehnten. Das braucht Mut, aber der lohnt sich, da die Welt – auch wenn sie dieselbe bleibt (und musikalisch letztendlich wieder in G steht) – dadurch lebensfreundlicher wird (musikalisch Dur statt Moll). Und dieser Mut, zu den Ausgegrenzten und Abgelehnten zu stehen, war auch für Jesus Anfang und Ende seiner Botschaft und seines Wirkens, eben „von der Krippe bis zum Schädelfeld". So ist sein Leben und seine Botschaft eben auch für uns heute nach wie vor „Heraus-Forderung". Eine spannende Frage an den Text oder besser an uns selber bleibt: Wer sind diejenigen, die schwach und matt sind und aufgefordert werden, den Blick und die Stimme zu erheben? Sind das die „draussen" oder ist da manchem, der drinnen ist, ob der damit verbundenen Mauern schon hören und sehen so vergangen, dass er damit auch verstummt ist? Tut das Aufstehen nur dem Benachteiligten gut, nicht auch dem Privilegierten?

©Martin Walter

Stand: 24.03.2015

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