Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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offener tabernakel thumbDer wahre Leib Christi – Wie gehe ich damit um?

In der Rubrik "Frage und Antwort" der Zeitschrift "Sakristan" 6/2018 geht es um den rechten Umgang mit den Hostien – mit nicht-konsekrierten und konsekrierten. Weil es gelegentlich Fragen und Mitteilungen über diesbezügliches (Fehl-)Verhalten gibt, seien hier wieder einmal einige wichtige Punkte in Erinnerung gerufen. Ein Beitrag von Erwin Keller, Schulleiter der Schweizerischen Sakristanenschule und Schriftleiter der Zeitschrift "Sakristan".

Der wahre Leib Christi

Die eucharistischen Gaben sind – so unser Glaube – nicht nur irgendwelche Zeichen für Jesus, der dann geistiger Weise gegenwärtig ist, sondern sie sind wahrhaft Leib und Blut Christi. Brot und Wein werden wahrhaft verwandelt in Leib und Blut Christi – kraft der Worte Jesu und durch das Wirken des Heiligen Geistes. Die eucharistischen Gaben sind das Grösste und Höchste, das es in dieser Welt gibt: eben das "Allerheiligste"! Das verlangt von allen, die mit den eucharistischen Gaben zu tun haben, in ihrem Verhalten und Handeln grosse Ehrfurcht und höchste Sorgfalt, gerade auch von Sakristanen, wenn sie die Hostien für die Messe bereitstellen und für genügend konsekrierte Hostien im Tabernakel besorgt sind.

Strikte Unterscheidung und Trennung

Als erstes gilt es darauf zu achten, dass nicht-konsekrierte und konsekrierte Hostien strikte unterschieden und nie miteinander vermischt werden. Die nicht-konsekrierten Hostien werden in der Sakristei aufbewahrt. Von dort werden für die heilige Messe nicht-konsekrierte Hostien in der Hostienschale auf der Kredenz bereitgestellt. Von der Kredenz werden sie bei der Gabenbereitung zum Altar gebracht und dort zum Leib Christi konsekriert. Die konsekrierten Hostien, die nach der Kommunionspendung übrigbleiben, werden im Ziborium im Tabernakel aufbewahrt.

Hostien bereitstellen

Bei der Aufgabe, für die Feier der heiligen Messe die Hostien in der nötigen Anzahl bereitzustellen, soll der Gedanke wegleitend sein, dass die Gläubigen die Kommunion möglichst aus der aktuellen Feier empfangen können. Das heisst: es werden etwa so viele Hostien bereitgestellt, wie Gläubige zum Gottesdienst erwartet werden.

"Vorrat" im Tabernakel

Dabei ist immer auch darauf zu achten, wie viele konsekrierte Hostien noch im Tabernakel sind. Sind genügend da für den Fall, dass mehr Leute zum Gottesdienst kommen als erwartet? Sind genügend konsekrierte Hostien da für allfällige Krankenkommunionen? Oder für den Fall, dass bis zu nächsten Messe eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung vorgesehen ist?

Regelmässig aufbrauchen

Der "Vorrat" an konsekrierten Hostien im Tabernakel soll also genügend, aber nicht übermässig gross sein. Wenn der Vorrat doch einmal übermässig gross ist, werden für die heilige Messe – entgegen dem genannten Grundsatz vom Kommunionempfang aus der aktuellen Feier – nur wenig nicht-konsekrierte Hostien, vielleicht auch nur die "Priesterhostie" zur Konsekration bereitgestellt; die Kommunion wird dann aus dem Ziborium ausgeteilt. Es muss generell darauf geachtet werden, dass die Hostien der einzelnen Ziborien regelmässig ganz aufgebraucht werden.

Keine konsekrierten Hostien auf die Kredenz!

Wenn viele konsekrierte Hostien im Tabernakel sind, darf es selbstverständlich nicht so gemacht werden, dass der Sakristan einfach die Hostien aus dem Tabernakel holt, diese in die Hostienschale legt und auf die Kredenz stellt und bei der Gabenbereitung zur erneuten Konsekration zum Altar bringen lässt.

Keine nicht-konsekrierten Hostien in den Tabernakel!

Was noch viel weniger geschehen darf, ist das Umgekehrte. Wenn im Tabernakel nur noch wenige konsekrierte Hostien sind, darf es nicht sein, dass der Sakristan nicht-konsekrierte Hostien aus der Sakristei holt und diese ins Ziborium legt – in der irrigen Meinung, der heilige Rest heilige die dazugegebenen. Oder in der völlig ungläubigen Ansicht, es würde das ja niemand merken und den Hostien nicht ansehen.

Beides kommt vor – leider!

Keine konsekrierten Hostien auf die Kredenz! Keine nicht-konsekrierten Hostien in den Tabernakel! – Beides ist eigentlich sonnenklar und selbstverständlich. Trotzdem muss es wieder einmal in aller Deutlichkeit gesagt sein, weil leider beides vorkommt! Hoffentlich aber doch nur selten. Bei allen, die mit den eucharistischen Gaben zu tun haben, sei hier an ihre Verantwortung appelliert – und mehr noch an ihren Glauben!

Ziborium zum Altar – wann?

Wenn man – wie vorher vermerkt – etwa so viele Hostien bereitstellt, wie Leute erwartet werden, braucht es eigentlich das Ziborium für den Kommuniongang gar nicht. Wenn man es trotzdem braucht, soll es vor der Kommunion zum Altar gebracht werden. Der richtige Zeitpunkt dafür ist das Agnus Dei bzw. das Brotbrechen. Dadurch, dass es zum Altar gebracht wird, soll für die Kommunikanten deutlich werden, dass auch sie, obwohl sie die Kommunion aus der "Reserve" empfangen, zum Tisch des Herrn hinzutreten und dass auch diese Hostien aus der (früheren) Eucharistie hervorgegangen sind.
Es wäre aber falsch, wenn das Ziborium mit den konsekrierten Hostien schon zur Gabenbereitung auf den Altar gestellt würde und so eine zweite Konsekration vorgetäuscht wird. Also nicht schon zur Gabenbereitung, sondern erst beim Agnus Dei, unmittelbar vor der Kommunion. Was so selbstverständlich ist, erwähne ich nur, weil es leider Orte gibt, wo das Ziborium schon bei der Gabenbereitung auf den Altar gestellt wird.

Bei der Wortgottesfeier

Wenn die Wortgottesfeier mit einer Kommunionspendung verbunden wird, sollte dem Herbeibringen des Ziboriums besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wenn der Tabernakel nicht in unmittelbarer Nähe zum Altar steht, sondern vielleicht auf einem Seitenaltar oder in einer Seitenkapelle, kann das Herbeiholen des Allerheiligsten als kleine Prozession gestaltet werden. Dabei können Ministranten mit Kerzen oder Glöcklein oder auch mit Weihrauch mitgehen. Ebenso soll darauf hingewiesen werden, dass die eucharistische Gabe, die nun auf dem Altar steht, aus der Eucharistie vom letzten Sonntag oder … hervorgegangen ist.

"Transport" von konsekrierten Hostien

Gelegentlich kommt es vor, dass in einer Pfarrei eine unvorhergesehene Wortgottesfeier mit Kommunionspendung stattfindet, z.B. bei einer grossen Beerdigung unter der Woche. Was ist, wenn nun zu wenig konsekrierte Hostien vorhanden sind? Ganz sicher nicht so, dass der Sakristan nun einfach nichtkonsekrierte Hostien aus der Sakristei ins Ziborium legt! In diesem Fall müsste man in einer Nachbarpfarrei anfragen (oder halt sich auf die Wortgottesfeier beschränken und auf die Kommunionspendung verzichten!).
Wenn nun konsekrierte Hostien von einer anderen Pfarrei bezogen werden, ist auf einen würdigen, ehrfürchtigen Transport zu achten. Konsekrierte Hostien gehören nicht in einen Plastiksack! Für dieses Abholen des Allerheiligsten nimmt man ein gut verschliessbares Ziborium mit. Und man bringt das Allerheiligste sofort und auf dem kürzesten Weg von der einen Kirche in die andere; mit andern Worten: man lässt das Ziborium mit dem Allerheiligsten nicht über längere Zeit in der Tasche oder im Auto!
Dasselbe gilt auch, wenn bei Feld-, Wald- oder Berggottesdiensten konsekrierte Hostien übrigbleiben. Noch besser ist es, bei solchen Gottesdiensten die Leute abzuzählen und nur so viele Hostien zu konsekrieren, als Leute da sind. Wenn nur wenige konsekrierte Hostien übrigbleiben, können diese vom Priester konsumiert werden.

Wenn konsekrierte Hostien ungeniessbar geworden sind

Es kann vorkommen, dass konsekrierte Hostien ungeniessbar geworden sind, z.B. wenn eine Hostie beim Kommuniongang in eine Drecklache fällt oder wenn Hostien aus unerfindlichen Gründen im Tabernakel grau geworden sind oder wenn jemand nach dem Kommunionempfang brechen muss. Dann legt man die Hostie ins Wasser, bis sie sich aufgelöst hat; dann giesst man das Wasser entweder ins Sakrarium und gibt es auf dem Friedhof den Blumen. Die eucharistische Gegenwart ist nur solange gegeben, als die sichtbare Gestalt des Brotes erhalten bleibt.

Erwin Keller, Schulleiter der Schweizerischen Sakristanenschule und Schriftleiter der Zeitschrift "Sakristan"

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Originalartikel "Der wahre Leib Christi – Wie gehe ich damit um?" aus Sakristan 6/2018

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