Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

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Kirche sein im Feiern und Verstehen

Josef der neue Mann thumbHochfest 19. März

Josef – der „neue Mann"?

Für die einen ist er ein Träumer und Softie. Für andere der keusche Ehemann und fromme Alte. Wer aber ist er wirklich, der Mann, den die Kirche am 19. März feiert?

Über Josef, den Zimmermann und Nährvater Jesu, wissen wir wenig. Das Neue Testament erwähnt seinen Namen 15 Mal; nur in den Kindheitserzählungen der Evangelisten Matthäus und Lukas tritt er aktiv in Erscheinung, dabei ist kein einziges Wort aus seinem Mund überliefert. Nach dem 12. Lebensjahr Jesu verliert sich seine Spur.

Josef erhält von den Evangelisten eine Nebenrolle zugewiesen; er steht ganz im Schatten Jesu und seiner Mutter Maria. Auf Weihnachtsdarstellungen ist er im buchstäblichen Sinn eine Randfigur. Entsprechend spät setzt seine Verehrung ein. Ein eigenes liturgisches Fest bekommt er erst im Mittelalter.

Danach jedoch zeigt die Karriere des Hl. Josef steil nach oben. Die Kirche entdeckt in ihm ein Ideal an Tugendhaftigkeit. Sie fördert das Bild des treuen Ehegatten, des sorgenden Vaters, des fleissigen Arbeiters. Dafür stehen seine Attribute: Lilie, Stab, Winkelmass. 1870 wird Josef zum Schutzpatron der Kirche erklärt.

Der Zugang zum Zimmermann aus Nazareth wird dadurch nicht erleichtert. Heute scheint uns Josef nicht mehr viel zu bedeuten. Zumindest in unseren Breitengraden wird nur noch selten ein Kind auf seinen Namen getauft wird.

Was für ein Bild des Heiligen zeigt uns die Liturgie des Hochfestes? Welche Zugänge zum bekannten Unbekannten sind auf biblischer Grundlage und jenseits kitschiger Vorstellungen möglich?

Der Sohn

Noch bevor er die Rolle als Ehemann und Nährvater übernimmt, erweist sich Josef in mehrfacher Hinsicht als Sohn. Wie sein biblischer Namensvetter ist Josef aus Nazareth Sohn Jakobs (Mt 1,16), Sohn Davids, Sohn Abrahams. Das Thema der Sohnschaft zieht sich durch alle Lesungen der Festtagsmesse.

Im Evangelium des Tages (1. Text zur Auswahl) spricht der Engel Josef als „Sohn Davids" an (Mt 1,20). Er verweist damit auf dessen königliche Abstammung, die von ganz besonderer Art ist: Gott selber nämlich hatte David und seinen Nachkommen (seinen „Söhnen") ein immerwährendes Königreich versprochen. Wir hören davon in der ersten Lesung: „Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand haben" (2 Sam 7,16). Aus dem königlichen Stamm Davids wird einst der Messias, der Retter hervorgehen, von dem Gott sagt: „Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein" (2 Sam 7,14).

Zur davidischen Nachkommenschaft zu gehören, ist vor allem ein geistiges Erbe: Als Sohn Davids weiss sich Josef der Überlieferung der Väter verpflichtet, er richtet sein Leben nach der Tora, der Weisung Gottes aus. Wer treu das Gesetz erfüllt, wird in der Bibel als gerecht bezeichnet.

Die Schwangerschaft seiner Verlobten bringt den gerechten Josef jedoch in ein Dilemma. Nach dem Gesetz müsste er Maria verlassen. Wird der Fall publik, droht ihr nicht nur öffentliche Schande, sondern gar die Todesstrafe. Josef überlegt, was zu tun sei. Im Traum erhält er durch den Engel die Eingebung, dass er Maria zu sich nehmen soll. Josef vertraut darauf, dass dieser Weg dem Willen Gottes entspricht, und lässt sich darauf ein, auch wenn er nicht abschätzen kann, wohin er führen wird. Man könnte auch sagen: Josef beharrt im Konfliktfall nicht auf dem Buchstaben des Gesetzes, er pocht nicht auf seine Gesetzestreue, sondern folgt seinem Gewissen, der Regung seines Herzens. Er erweist sich damit nicht nur als ein pflichtbewusster Erbverwalter, sondern als „treuer und kluger Knecht" (Präfation vom heiligen Josef), als mutige, eigenverantwortliche Person, als wahrer Sohn. Er tritt in die Fussstapfen von Abraham, dem Vater des Glaubens. Josef ist nicht selbst-gerecht, sondern gerecht „aus Glauben" und damit „aus Gnade", wie wir von Paulus in der zweiten Lesung hören (Röm 4,16).

Der Vater

Vater sein bedeutet mehr als die Zeugung von Kindern. Heutige Männer wollen ihren Kindern kein „abwesender", sondern ein guter Vater sein. Vaterschaft ist eine Lebensaufgabe, und auch Josef sagt Ja dazu: Er nimmt Maria zu sich und gibt ihrem Kind den Namen Jesus, wie es ihm der Engel aufgetragen hat. Seiner Entscheidung ist zu verdanken, dass Jesus zum Träger der messianischen Erwartungen werden kann: Der Titel „Sohn Davids" geht auf Jesus über.

Als gesetzlicher Vater ist Josef für die religiöse Erziehung Jesu zuständig. Mit Maria bringt er ihn am achten Tag im Tempel dar. Er führt ihn in den Glauben seines Volkes ein, feiert mit der Familie die jüdischen Feste, pilgert mit ihr nach Jerusalem.

Von einer solchen Wallfahrt mit dem zwölfjährigen Jesus berichtet der Evangelist Lukas (zweiter Auswahltext für das Tagesevangelium). Bei der Suche nach Jesus in Jerusalem zeigt sich Josefs väterliche Sorge. „Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht", sagt Maria zu Jesus (Lk 2,48). Die Eltern sind gewiss froh, Jesus wiedergefunden zu haben, sein Handeln und seine Worte aber verstehen sie nicht. Ihr Sohn bleibt für sie ein Geheimnis.

Dass Jesus von einem anderen Vater spricht, schmälert nicht Josefs Rolle, es verdeutlicht sie nur. Josef wirkt „an Vaters statt" (Präfation). Gott hat ihn als „treuen und klugen Verwalter" eingesetzt (Lk 12,42; vgl. Eröffnungsvers). In der Beziehung zu Josef soll Jesus die Liebe Gottes, seines eigentlichen Vaters, erfahren dürfen. Die familiäre Anrede „Abba" hat seine Wurzeln gewiss auch im Vaterbild, das Josef vorlebt.

Der Bruder

Josefs Vertrauen in das, was er als Gerechtigkeit Gottes erkannt hat, ist nicht ein für allemal gesichert. Sein Hören auf den göttlichen Willen, sein Glaubensgehorsam wird immer wieder auf die Probe gestellt. Manches Ereignis auf dem eingeschlagenen Weg bleibt für ihn unverständlich. Josef hat immer wieder von dem Kind zu lernen, das ihm anvertraut ist. Im Grund ist er es, der Jesus nachfolgt.

Das zeigt eine menschliche, besonders zugängliche Seite des Josef. Sie wird im Hymnus „Te, Joseph, celebrent" auch theologisch gedeutet. Die dritte Strophe beschreibt die Flucht nach Ägypten so, dass es Josef ist, der dem fliehenden Jesus folgt. Josef wird verstanden als einer, der in der Nachfolge Christi steht. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der zweite Teil der Strophe zu deuten: Josefs Suche nach dem zwölfjährigen Jesus in Jerusalem ist letztlich eine Suche nach Gott. Diese Sicht macht Josef zu einem Gottsuchenden, einem Glaubensbruder und Gefährten in der Christus-Nachfolge.

Beim Wiedersehen mit Jesus vergiesst er Tränen, so berichtet der Vesperhymnus weiter, Freudentränen und Tränen der Reue. Josef sucht – und findet. Sein Glaubensweg läuft nicht ins Leere. In seinem irdischen Leben darf er bereits in der Person Jesu Gott begegnen. Die Liturgie preist Josef selig, denn er darf wohnen im Haus des Herrn und teilnehmen an seinem Festmahl (vgl. Ruf zum Evangelium bzw. Kommunionvers).

Um den hl. Josef ist es heute wieder ruhiger geworden. Das Wenige, Unspektakuläre, das über ihn bekannt ist, lässt ihn nicht als besonders interessant erscheinen. Er steht nicht im Rampenlicht, kann nicht als „Star" gefeiert werden. Vielleicht ist das eine Chance, ihn wieder neu zu entdecken und einen persönlichen Zugang zu ihm als Sohn, Vater oder Bruder zu finden. Manche sehen in ihm gar den „neue Mann".

Josef-Anton Willa

 

Stichwort

  • Erste Spuren der Verehrung des Hl. Josef finden sich im 8. Jh. in Ägypten.
  • Im Jahr 1479 führt Papst Sixtus IV. das Fest des Hl. Josef am 19. März für die ganze Kirche ein; ab 1621 ist es gebotener Feiertag.
  • Pius IX. ernennt 1870 den Hl. Josef zum Schutzpatron der Kirche und erhöht den Festrang.
  • Johannes XXIII. erklärt den Hl. Josef 1962 zum Patron des Zweiten Vatikanischen Konzils und fügt den Namen des Heiligen in den Römischen Messkanon (heute: 1. Hochgebet) ein.
  • Das zweite Fest Josef der Arbeiter am 1. Mai – seit 1955 im Römischen Kalender – wird als nichtgebotener Gedenktag gehalten. Die Einführung war der Versuch, den Tag der Arbeit zu verchristlichen.

Brauchtum

Die Verehrung des Hl. Josef nahm in der Barockzeit stark zu und erreichte im 19. Jh. ihren Höhepunkt. Zahlreiche Kirchen wurden dem Hl. Josef geweiht und der Name Josef war als Taufname sehr beliebt. Vor dem 19. März wurde die Josefsnovene gebetet und sogar der ganze Monat März als Josefsmonat gehalten.
Weil Josef in den Armen Jesu verstorben sein soll, wird er als Patron vom guten Sterben angerufen. Die Josefsbruderschaften kümmern sich um die Vorbereitung und Begleitung Sterbender und beten für die Verstorbenen. Die Josefsandachten werden auch als „Guttod-Andachten" gestaltet.

Geistlicher Impuls

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Mit diesem Josef möchte ich beten

Väter wie Josef
erzählen von dir,
dem uns
Zugewandten,
der uns birgt.

Väter wie Josef,
die dem
neuen Leben
folgen können,
die nicht bestimmen
und wissen,
was das Beste ist,
sondern dem
kleinen Kind Raum
lassen.

Solche Väter
erzählen von dir.
Von dir, die/der
an uns glaubt.
An uns als
gute Väter
und gute Mütter.
Amen.

Peter Zürn, in:

Bibel heute 173 1/2008: Josef - Vater Jesu

Facts

In den letzten Jahren wurde der 19. März als gesetzlich anerkannter Feiertag mancherorts in der Schweiz abgeschafft. Arbeitsfrei ist der Josefstag oder Seppitag heute noch in den Kantonen Uri, Schwyz, Nidwalden, Tessin und Wallis, sowie in einzelnen Gemeinden der Kantone Luzern, Graubünden, Solothurn und Zug. Im Tessin (und in Italien) wird er als Vatertag begangen.

Lesetipp

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Der heilige Josef. Theologie - Kunst - Frömmigkeit. Kunstverlag Josef Fink 2008.

Links

Liturgische Texte

Liturgisches Institut
der deutschsprachigen Schweiz
Impasse de la Forêt 5 A
CH-1700 Freiburg
Fon: 026 484 80 60
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