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Ein Alpsegen

Im Schweizer Alpengebiet ist bis heute der Brauch des Betrufs lebendig. Allabendlich während der Alpsommerzeit singt der Älpler eine archaische Gebetslitanei über die Alp.

 

 

Was romantisch anmuten mag, offenbart beim genaueren Hinhören den feierlichen Ernst eines Segensgebets. Text und Melodie sind zwar regional unterschiedlich. Allen gemein aber ist eine mundartlich eingefärbte deutsche Sprache und eine archaische Melodieführung, die von fern an das lateinische Chorgebet der Mönche erinnert. Immer werden der dreieinige Gott, die heilige Familie und die am Ort verehrten Heiligen direkt angerufen und um Schutz angegangen. Elemente des Credo, des Angelus, der Allerheiligenlitanei sind verwoben mit den konkreten Bitten um Schutz von Hab und Gut, Leib und Leben während der nun hereinbrechenden Nacht. Denn im Schlaf muss der Mensch loslassen. Er muss die Verantwortung, das Gelungene wie das Schuldige anderen Mächten übergeben. Gerade hier, wo das Wetter augenblicklich wechseln kann und Naturgewalten als reale Bedrohungen erfahren werden, stellt sich die Frage, worauf ich baue. Der Betruf bezeugt seit rund 450 Jahren: Ein einst heidnischer Bannspruch konnte Gebet, Feier der Hoffnung werden.

 

Innerschwyzer Alpsegen

Ave, Ave Maria
Es walte Gott und Maria
Der Name des Herrn sei gebenedeit
Von nun an bis in Ewigkeit
Vieh und Alpen, Leut und Land
Schütze und segne deine Hand
Ave Maria, sei gegrüsst,
Die du voll der Gnade bist
Unter den Weibern bist du benedeit
Und dein Kind Jesus in Ewigkeit
Heilige Maria, Mutter Gottes
Bitte für uns arme Sünder,jetzt
Und in der Stunde unseres
Absterbens, Amen.
Ave, Ave Maria
Es wallte Gott und Maria
Sankt Josef, Antoni und Wendelin
Sankt Philipp, Jakob und Isidor
Sankt Lukas, Mathäus und Markus
Und Sankt Johannes der Evangelist
Der beim Kreuz des Herrn gestanden ist.
Und die Engel und Heiligen alle
Sie sollen uns gnädig bewahren
Vor Übel, Unglück und Gefahren
An Laib und Seele, an Hab und Gut
Das liebe Vieh auch halten in treuer Hut
Und was sonst zur Alp gehören tut
Vor Hagel, Blitz und Wetterstrahl
Und vor den bösen Geistern all
Schütz uns Gott jetzt und alle Zeit
Ave, Ave Maria
Das walte Gott und Maria
Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit
In alle Ewigkeit. Amen.

 

Peter Spichtig op

Brauchtum

Das Vieh zurückrufen

 

Der Urner Äpler Ernst Herger: "Die Klanggrenze bildet den Ring, in dem der Segen wirksam ist. So weit man den Ruf hört, so weit sollte der Segen reichen." Und er fügt an: "Nun, vielleicht auch ein bisschen über den Ring hinaus ..." Wenn er heiser sei, sei auch der Ring etwas kleiner, meint er augenzwinkernd. ... Mit dem Betruf soll auch das Vieh in den Ring zurückgelockt werden. Denn als Erstes wendet sich der Ruf an das Vieh, das jeden Schritt in Gottes Namen tun und ihn loben soll: "Hoch selle si loba / All Schritt, all Tritt, i Gott's Namä loba / Hier auf der Alp steht ein goldener Ring ..."

 

aus: Wanderland Heft 4/2010

 

Lesetipp

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Die CD "Bättruef - Alpsegen" besitzt ein sehr gutes Booklet mit vielen Informationen zum Alpsegen.

 

Bocklet: CD "Bättruef - Alpsegen" (193 KB)

 

Lesetipp

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Tonisep Wyss-Meier, Der Betruf im deutschsprachigen und rätoromanischen Raum. Sammlung von Texten und Erläuterungen. Druckerei Appenzeller Volksfreund. 2007

 

Musik

Zwei Betrufe aus der Innerschweiz:

 

asset icon mp3Alpsegen "Ho-Lobe-Ho-Lobe" (4,534 KB)

 

asset icon mp3Alpsegen "Ave Maria" (1,227 KB)