Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

Kirchentuer Herz Jesu Wiedikon thumbEwiges Licht

Was leuchtet denn da

Es fällt gleich auf: In jeder Kirche, vor jedem Tabernakel, brennt ein kleines Licht. Was bedeutet dieses Ewige Licht und zu was lädt es uns ein? Eine liturgische Spurensuche.

Etwas Bekanntes

Licht ist etwas, das für die Menschen elementar ist. Ohne Licht gibt es kein Leben, und alle Lebewesen sind automatisch zum Licht hin orientiert. Nicht umsonst hat das Licht in beinahe allen Religionen eine hervorgehobene Stellung. Oft wendet man sich nach Osten, zum Licht hin – denn von dort kommt das Leben.
So ist es nicht verwunderlich, dass der Brauch, an heiligen Stätten Licht brennen zu lassen, auch in christlichen Gotteshäusern zu finden ist. In den Ostkirchen leuchtet ein Licht wie selbstverständlich vor jeder Ikone; hier im Westen findet man oft vor Marienbildern in vielen Kirchen Ständer mit sogenannten «Opferlichtern». Und – in der Nähe des Tabernakels – eben das Ewige Licht.

Etwas Einladendes

Wenn man eine Kirche betritt, scheint das Ewige Licht einen zu begrüssen und einzuladen. In seiner leise flackernden Unruhe spiegelt es oft die eigene innere Haltung wider – man kommt aus einem hektischen Alltag voller Gedanken und Sorgen in die Kirche. Das Licht lädt ein, zu verweilen, die Unruhe langsam von sich abgleiten zu lassen und sich auf den sakralen Ort einzustellen.
Es lädt auch zum Beten ein. Denn wenn das Ewige Licht leuchtet, symbolisiert es eine grundlegende Wahrheit: Gott ist gegenwärtig, wir können uns an ihn wenden. Ein erleuchtetes Fenster bedeutet, dass jemand Zuhause ist. Und genau so zeigt das Licht vor dem Tabernakel, dass Christus sakramental bei uns ist. Das Licht lädt uns ein, den anwesenden Christus mit einer Kniebeuge zu begrüssen.

Ewigkeitscharakter

Jesus Christus ist das «Licht der Welt» (vgl. Joh 8,12), das ein für alle Mal angezündet wurde und nicht wieder verlöscht. Gottes Licht brennt ewig auf Erden, das Dunkel der Welt wird immer wieder von seiner Gnade durchbrochen. Als Symbol dafür schafft das Ewige Licht Raum, in dieses Mysterium einzutauchen. Die Kirche als ein Ort der göttlichen Gegenwart verweist mit dem Licht auch nach draussen. Durch diese Begegnung mit dem gegenwärtigen Christus gestärkt können wir danach in die Dunkelheit einer manchmal lichtlosen Welt gehen, um dort selbst zu leuchten.

Einsam, wenn es weg ist

An zwei Tagen im Kirchenjahr wird das sonst immer brennende Licht gelöscht: An Karfreitag und Karsamstag. Diese Lichtlosigkeit erinnert an die Finsternis bei der Kreuzigung und Jesu Schrei der Gottverlassenheit: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (Mt 27,45f). Und auch daran, dass Jesus selbst «erloschen» ist, gestorben auf Golgatha. Es herrscht Gottesfinsternis.
Diese Erfahrung der Lichtabwesenheit ruft dazu auf, sich in Solidarität mit den Gottverlassenen auf der ganzen Welt zu stellen. Mit Blick auf den Gekreuzigten begibt man sich an die Seite der Hungernden, Verfolgten, Armen, Leidenden und bereits Verstorbenen. Und so lädt sogar das abwesende Licht dazu ein, ein Lichtblick für andere zu sein. Die Kraft dazu kommt vom Osterfest her, an dem inmitten der Nacht der Glanz der Auferstehung (vgl. Tagesgebet der Osternacht) erahnen lässt, dass das Dunkel im Letzten besiegt ist.

Eine Farbe der Liebe

Vorgeschrieben ist es zwar nicht, aber meistens befindet sich das Ewige Licht in einem roten Gefäss, das früher als Gefäss der Öllampe «Ampel» genannt wurde. Die Farbe ist nicht dem Zufall überlassen. Zum einen steht Rot in der liturgischen Tradition für das Blut. Damit symbolisiert das Licht erneut einen Zusammenhang mit Christus im Tabernakel, der sein Blut für alle vergossen hat. Auch die Bedeutung von Rot als Farbe der Liebe kommt im Gehäuse der Ampel zum Ausdruck: Durch die Liebe leuchtet uns Gott zu, «… denn der Herr ist dein ewiges Licht, zu Ende sind deine Tage der Trauer.» (Jes 60,20).

Jan Bergauer, Theologiestudent in Chur (12.09.2019)

Dieser Beitrag wurde unterstützt durch Mittel des Freundeskreises Liturgisches Institut.

Stichwort

  • Ein immer brennendes Licht ist auch ein jüdischer Brauch; früher im Tempel in Jerusalem, heute in den Synagogen vor dem Toraschrein als Erinnerung an die Gegenwart Gottes.
  • Das Ewige Licht am Aufbewahrungsort der Eucharistie wird schon in Quellen aus dem 11. und 12. Jhd. erwähnt und ist seit dem Rituale Romanum von 1614 vorgeschrieben.
  • Brennt bis auf zwei Tage (Karfreitag und Karsamstag) ganzjährlich vor dem Tabernakel.
  • Es muss „vor dem Tabernakel, in dem die heiligste Eucharistie aufbewahrt wird, ununterbrochen ein besonderes Licht brennen […], durch das Christi Gegenwart angezeigt und verehrt wird“ (CIC 940).
  • Ausdruck „Ewiges Licht“ auch im Totengedächtnis gebräuchlich: „Requiem aeternam dona eis, Domine: et lux perpetua luceat eis. – Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen.“

Zitat

„Nach überliefertem Brauch hat beim Tabernakel ständig ein mit Öl oder Wachs genährtes besonderes Licht zu brennen, wodurch die Gegenwart Christi angezeigt und geehrt wird." Grundordnung des Römischen Messbuchs, Art. 316


Geistlicher Impuls

«Du Abglanz von des Vaters Pracht,
du bringst aus Licht das Licht hervor,
du Licht vom Licht, des Lichtes Quell,
du Tag, der unsern Tag erhellt.»

Hl. Ambrosius von Mailand (339-397)
Kirchenlehrer und Kirchenvater

Lesetipp

Albert Gerhards, Licht. Ein Weg durch Räume und Zeiten der Liturgie. Regensburg: Schnell+Steiner, 2011

Liturgisches Institut
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