Musik

Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

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Kirche sein in symphonischer Gemeinschaft

Logo Orgelschule SurseePastoralraum Mittlerer Leberberg – Ideen einfach umsetzen

Leuchtturm Kirchenmusik (4/6) – Jahresserie des Liturgischen Instituts und des SKMV

Florian Kirchhofer ist im Pastoralraum Mittlerer Leberberg im Kanton Solothurn als Kirchenmusiker angestellt. Er nutzt die Möglichkeiten, die er hat, um Neues zu wagen und Unbekanntes zu entdecken. Er ist selber ein vielseitiger Mensch und will die musikalische Vielfalt ausreizen, um Menschen abzuholen und sie zu berühren.

Es ist eine Wonne, mit Florian Kirchhofer zu reden. Der 43-Jährige hat eine Weite in sich, die ihn davor bewahrt, ausgetretene Wege zu gehen. Zu viel kirchenmusikalische und populäre Literatur wartet da draussen, gesungen, gespielt und gehört zu werden. «Ich bin selber ungezwungen katholische aufgewachsen. Für mich sind die Karfreitagswoche und die Ostertage der Höhepunkt im Jahr. Da findet Musik in den verschiedensten Formen der Weg zu den Menschen, die auch verschiedene Gefühle ausdrückt. Es ist ein Geschenk Gottes, wenn man die Menschen abholen und berühren kann», sagt er. Er hat zudem die Gnade, die Menschen in den Chören motivieren zu können. «Es geht nur über die Motivation.» Der Plan, im Pastoralraum Mittlerer Leberberg einen Kinderchor und eine Jugendband aufzubauen, musste er pandemiebedingt verschieben, dafür ist ein anderes Projekt aus der Not heraus entstanden. Kirchhofer hat eine Gruppe von Kantorinnen und Kantoren aufgebaut und sie befähigt, hinzustehen und alleine vorzusingen.

Mit allen Sinnen unterwegs

ML Leuchtturm 4 Kantoren 2Florian Kirchhofer schätzt die Vielfalt im Pastoralraum Mittlerer Leberberg, zu dem die Pfarreien Bellach, Langendorf, Selzach, Oberdorf und Lommiswil gehören. «In Oberdorf liegt der Schwerpunkt mit der Wallfahrts- und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt bei den klassischen Eucharistiefeiern. In Langendorf ist das erste ökumenische Zentrum der Schweiz, das letztes Jahr das 50-Jahr-Jubiläum feierte. Die Pfarrei ist davon geprägt. Gemeinsames und Unterschiedliches hat einen Platz», stellt er fest. Der Bezug zu Solothurn mit dem Bistumssitz habe die Musikalität der Region gefördert. Florian Kirchhofer selber ist Organist und Chorleiter in Langendorf und Bellach. Zu den Aufgaben als Kirchenmusiker gehört die Planung der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste, die monatliche Taizé-Feier und die Leitung des Chorprojekts Klang- und Lichtwelten in der Kirche Oberdorf in der Adventszeit. 1000 Kerzen brennen jeweils wenn Chor- und Instrumentalmusik ertönt. Der Aufbau des Kinderchors und der Jugendband ist nach wie vor geplant. Ausserdem ist Kirchhofer Organist in Olten, war OK-Präsident von «cantars 2022» in Solothurn, das am 11. Juni stattfand, und – ist in Teilzeit als Augenoptiker tätig. Er ist der Hörende und Sehende. «Ich bin mit allen Sinnen unterwegs. Ich koche gerne und geniesse die Vielfalt der Gerüche und Geschmacksrichtungen, meine Hände brauche ich zum Führen und kommunizieren. Dirigieren ist indirektes Berühren», beschreibt er. Auch Musik könne einen Geschmack und Geruch haben. «Und eigentlich hätten wir viel mehr Sinne, als wir benützen», erinnert er.

Alle trauen sich zu singen

Und dann war da diese Pandemie, die alles über den Haufen warf, was Gültigkeit hatte und sich verfestigt hatte. «Für mich war klar, dass es auf irgendeine Art möglich sein muss, im Gottesdienst zu singen», erinnert sich Florian Kirchhofer. So lud er Frauen und Männer ein, sich als Kantoren ausbilden zu lassen. Zwölf kamen und liessen sich offen und neugierig darauf ein. «Teilweise in der festen Absicht, dann sicher nicht alleine im Gottesdienst zu singen», verrät er. «Inzwischen getrauen sich alle.» Er nahm das Dutzend mit durch das Kirchenjahr, erklärte, was wann gesungen wird, welche Elemente der Gottesdienst hat, wo Literatur dazu gefunden werden kann, unterrichtete in der Gruppe, brachte ihr die Psalmen näher und bot mehrere Stunden Einzelstimmbildung an. «Der Mensch und seine Stimme ist spannend. Da kann es schon mal psychologisch tief gehen. Es haben sich auch Gespräche ergeben», hat er erfahren. Singen ermögliche, in Fluss zu kommen. Man muss jedoch bereit dafür sein.» Unterdessen seien alle Teilnehmenden fähig, die Lieder und Psalmen selber zu finden. Sie hätten Zugang zu den verschiedensten Kirchengesangsbüchern und könnten sich die Lieder und Psalmen selber erarbeiten. «Wenn sie Hilfe brauchen, biete ich ein Einzelcoaching an», sagt Kirchhofer. Vom Chorsänger über den Theologen bis zum Anfänger sei alles dabei.

Singend entwickelt

Mehrere gemeinsame Proben und die Einzelstimmbildung haben dazu geführt, dass sich die Menschen, die sich auf die Kantoreneinsätze eingelassen haben, mutigerML Leuchtturm 4 Kantoren 1 thumb geworden sind, selbstbewusster, stabiler in der Stimme und überhaupt stimmlich Fortschritte gemacht haben. Sie achten auf die Atmung und die Körperhaltung und arbeiten daran. Sie haben sich allgemein entwickelt und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewonnen. Ein Gewinn auf verschiedenen Ebenen. «Wir wollen die Kantorengruppe erhalten. Wir treffen uns halbjährlich, planen die nächsten Monate und ich nehme Anliegen auf oder biete individuelle Hilfe an», informiert Florian Kirchhofer. Die Kantorinnen und Kantoren werden bei ihren zwei bis drei Einsätzen pro halbes Jahr jeweils von Klavier oder Orgel begleitet. Sie kommen aus den verschiedenen Pfarreien des Pastoralraums und dürfen in Gottesdiensten, Vespern oder in anderen Feiern singen. Die Vesper planen und gestalten sie ohne Seelsorger eigenständig. «Die Kirche muss den Sprung wagen», ist Florian Kirchhofer überzeugt. Mit dem «Anderen Gottesdienst» geht er neue Wege. Zu seiner Musik darf schon mal eine Praline gegessen werden oder ein Künstler malt. Es darf auch gelacht werden. «Es muss gelacht werden. Leib und Seele sollen leben. Begeisterung löst Begeisterung aus. Es braucht Berufene, die ihre Aufgabe mit Herz erfüllen und positive Viren verbreiten», ist das Fazit des begeisterungsfähigen Kirchenmusikers, der auch noch Augenoptiker ist und hier wie dort gerne mit Menschen unterwegs ist.

www.pastoralraum-mlb.ch


Florian Kirchhofer (*1979)

B- Studium berufsbegleitend als Kirchenmusiker in St. Gallen, mehrere Anstellungen als Organist und Chorleiter, Ausbildung als Augenoptiker, lebt in Luterbach SO, Mitarbeiter (15%) am Liturgischen Intitut der deutschsprachigen Schweiz von Mai 2022 - April 2023.


Cecilia Hess-Lombriser, schreibt seit 36 Jahren für regionale Medien im Raum Wil-Toggenburg. Sie singt in einer Kantorengruppe und ist Mitglied des OK Cantars Wil 2022.

Der Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift "Musik & Liturgie"  Nr. 4/2022 am 26.07.2022.

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