Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Wie lange dauert die Weihnachtszeit?

Frage: Ich habe eine Frage zum Ende der Weihnachtszeit. Wir haben zwei katholische Kirchen in unserer Gemeinde. In der einen werden die Krippe und der Christbaum nach dem Fest der Taufe Christi abgeräumt. Was meiner Meinung nach richtig ist. In der anderen Kirche bleibt alles stehen bis nach Darstellung des Herrn (Lichtmess). Welches ist nun richtig oder sinnvoll?

Antwort: Haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage. Tatsächlich ist es so, dass seit der Kalenderreform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Weihnachtszeit "bis zum Sonntag nach Erscheinung des Herrn bzw. dem Sonntag nach dem 6. Januar einschliesslich" dauert (Calendarium Romanum, Nr. 33). Dieses Sonntag ist gleichzeitig das Fest der Taufe des Herrn. Eine gewisse "Unschärfe" bleibt in dieser Regelung. Denn an Orten, wo der 6. Januar kein gebotener Feiertag ist, wird das Hochfest der Erscheinung des Herrn auf den Sonntag zwischen dem 2. und 8. Januar gelegt. So kann es - wie in diesem Jahr - passieren, dass das Hochfest der Erscheinung des Herrn an dem Sonntag gefeiert wird, an dem eigentlich das Fest der Taufe des Herrn vorgesehen ist. Dieses wird dann am Montag danach "nachgeholt". Dieser Montag gehört dann aber auch zur Weihnachtszeit. So dauert also an solchen Orten die Weihnachtszeit einen Tag länger als an anderen. Aber auf jeden Fall endet die Weihnachtszeit mit der Taufe des Herrn, die spätestens am 13. Januar gefeiert wird.

Die Meinung, dass die Weihnachtszeit erst mit dem 2. Februar endet, ist tatsächlich weit verbreitet und hängt sicher mit der biblisch begründeteten Verbundenheit des Festes der Darstellung des Herrn ("Mariä Lichtmess") mit Weihnachten (vierzig Tage nach der Geburt Jesu - vgl. Lk 2,22-40) und dem weihnachtlichen Inhalt des Festes zusammen. Volkstümlich hat sich in vielen Gegenden der Brauch des "Krippenschliessens" entwickelt. Man baut(e) also Krippe und Weihnachtsbaum erst am nach dem 2. Februar ab. Wegen dieses weihnachtlichen Gehalts des Festes der Darstellung des Herrn kann dieser Brauch, die Krippe und den Weihnachtsbaum bis zum 2. Februar stehen zu lassen, durchaus Sinn machen, nicht zuletzt auch, weil die Evangelien der ersten Sonntage im Jahreskreis (v.a. im Januar) vom Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu erzählen und somit als eine Art Konsequenz und Fortführung des Weihnachtsgeschehens verstanden werden können. Ich würde einen solchen Brauch aber nicht neu einführen oder beleben. Und eine andere Frage ist es, ob es für die Gemeindemitglieder nicht verwirrend ist, wenn es in der einen Kirche der Gemeinde so und in der anderen anders gehandhabt wird. Jedenfalls sollte dies in der Predigt in diesen Tagen thematisiert werden.

Heutzutage wird oft behauptet, dass sich die Weihnachtszeit vor der Liturgiereform in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils bis zum Fest der Purificatio beatae Mariae (dem heutigen Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar) erstreckt habe. Dem ist aber nicht so. Im Kalender vor der Kalenderreform von 1969 (der heute wieder im "ausserordentlichen Ritus" eine Rolle spielt) endete die Weihnachtszeit mit dem Oktavtag von Epiphanie, also dem 13. Januar! Danach trug der Priester wieder grüne Gewänder bis zur sogenannten "Vorfastenzeit", die mit dem Sonntag "in Septuagesima" (dem dritten Sonntag vor Aschermittwoch) begann, der dann schon in violetten Gewändern gefeiert wurde. In vielen Fällen fiel damals also (wie 2018 im "ausserordentlichen Ritus" auch) der 2. Februar in die Vorfastenzeit und konnte somit gar nicht mehr zur Weihnachtszeit gehören.

Die Weihnachtszeit endet also heute normalerweise mit dem Sonntag nach dem 6. Januar ("Taufe des Herrn", spätestens am 13. Januar) und ist damit kaum kürzer als nach dem tridentinischen Kalender, nach dem sie immer am 13. Januar (Gedächtnis der Taufe Jesu) endete.

Martin Conrad (6.2.2018)

Liturgisches Institut
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