Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Kirche sein mit aktiver Beteiligung

Hostien einlegen

Frage: Bei einer Messfeier in einem Tagungshaus stand beim Eingang ein Tischchen mit einer Hostienschale und einem anderen Gefäss, aus dem die Eintretenden, die zur Kommunion gehen wollten, eine Hostie in die Schale legen konnten. Die Schale wurde dann bei der Gabenbereitung zusammen mit dem Kelch und den Kännchen mit Wein und Wasser zum Altar gebracht. Das habe ich als sehr schön empfunden. Ich habe unserem Pfarrer vorgeschlagen, es auch so zu machen, aber er wollte das nicht, weil ihm die Brotbrechung als symbolisches Handeln wichtig sei, diese sich aber beim Einlegen auf eine einzige Hostie beschränken würde (er bricht immer mehrere grosse Hostien). Geht mit dem Brauch, beim Eintritt in die Kirche eine Hostie einzulegen, die Symbolik der Brotbrechung verloren?

Antwort: Da gibt es tatsächlich eine gewisse Spannung wischen zwei sehr ausdrucksstarken Handlungen.

Der Brauch, beim Eintreten in die Kirche die Hostie einzulegen, wird von den Gläubigen als Ausdruck ihres Sich-Einbringens, ihres Eintretens in die Feier, in das Opfer des Herrn und als Zeichen der Hingabe erfahren. Er macht es auch möglich, den Gläubigen weitestgehend eucharistisches Brot auszuteilen, das in derselben Feier konsekriert wurde. Bei der Liturgiereform wurde er nicht das Messbuch aufgenommen, weil man die Brotbrechung für alle Mitfeiernden als Ausdruck der Gemeinschaft der Mitfeiernden in und mit Christus stärker fördern wollte. Leider hat sich die Hoffnung auf eine Neuentdeckung der Brotbrechung nicht im erwünschten Masse erfüllt, sondern es ist weithin bei einer umfänglichen Austeilung vorkonsekrierter Hostien aus dem Tabernakel geblieben.
Zu fördern wäre Beides: das Einlegen und die Brotbrechung. Das kann in einem Wechsel zwischen beiden Formen geschehen oder auch dadurch, dass wenigstens zum Ausgleich, der gegebenenfalls beim Einlegen noch notwendig ist, eine grosse Hostie sichtbar geteilt und auf den Rückgriff auf den Tabernakel verzichtet wird. Bei einer grossen Teilnehmerzahl können auch die Hostien in einem einzigen Gefäss konsekriert, dann aber bei der Brotbrechung zum Austeilen auf mehrere Schalen verteilt werden.

Eduard Nagel (23.05.2014)

Liturgisches Institut
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