Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Kirche sein mit aktiver Beteiligung

Segnung über Radio und Fernsehen

Frage: Können Gegenstände wie ein Rosenkranz, Kerzen usw. über das Fernsehen gesegnet werden?

Antwort: Grundsätzlich wurde vor Jahren der Begriff der "intentionalen Teilnahme" an einem in Radio oder TV übertragenen Gottesdienst geprägt. Er besagt im Wesentlichen: Es gibt eine gewisse "intentionale" Teilnahme an einem im Medium übertragenen Gottesdienst, der zeitgleich stattfindet. Vergleichbar ist das mit der Art und Weise, wie früher Menschen, die nicht zur Messfeier in die Kirche kommen konnten, durch das "Evangeliumläuten" und "Wandlungsläuten" auf entscheidende Momente der Feier aufmerksam gemacht wurden und sich innerlich mit dem Geschehen in der Kirche verbunden haben. Es kommt also wesentlich auf die Intention derer an, die durch das Medium erreicht werden.

Einen Ansatz speziell im Blick auf eine Segnung bietet der Päpstliche Segen "urbi et orbi". Hier wurde nie bezweifelt, dass Radiohörer oder TV-Zuschauer, die dies wünschen und sich innerlich darauf einstellen, den Segen empfangen können.
Auf jeden Fall geht es um lebendige Menschen, nicht um Sachen. "Sachsegnungen" sind an sich problematisch, da sich mit ihnen leicht ein magisches Verständnis verbinden kann. Darum nehmen die Segensgebete in der Regel auf die Menschen Bezug, die mit diesen Sachen umgehen. Bei einer Sachsegnung auf elektronischem Übertragungsweg wird die Distanz zwischen dem Akt der Segnung und den Menschen, um die es dabei letztlich geht, noch viel grösser.
Man kommt hier an Grenzen, an denen man wohl umkehren und neu fragen muss: Um was geht es eigentlich? In Worten und Zeichen wird von einem dazu bevollmächtigten Menschen einem anderen Menschen Segen zugesprochen. Gesegnete Sachen sind Zeichen, Erinnerungsmale des Geschehens, aber nicht das Ereignis selbst. Welche neue Qualität soll eine gesegnete Sache haben, die sie zuvor nicht hatte?
Andachtsgegenstände wie Kreuze, Rosenkränze usw. erhalten ihre eigentliche "Weihe" (wie man früher gesagt hätte) durch das Gebet, das sich mit ihnen verbindet: indem ich zum Kreuz aufschaue, vor ihm bete, indem ich den Rosenkranz bete ... Der Rosenkranz der verstorbenen Mutter ist mir nicht heilig, weil irgendwann darüber ein Priester (aus kürzerer oder längerer Distanz) ein Kreuz gezeichnet hat, sondern weil die Mutter mit ihm gebetet hat.

Eduard Nagel (23.05.2014)

Liturgisches Institut
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