Praxis

Kirche sein mit aktiver Beteiligung

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Kirche sein mit aktiver Beteiligung

Tiere segnen

Frage: Seit einiger Zeit werden mancherorts Hunde, Katzen oder Meerschweinchen in die Kirche gebracht, um für sie den Segen Gottes zu erbitten. Was ist davon zu halten?

Antwort: Tiere zu segnen ist alter christlicher Brauch. Vor allem Nutztiere in der Landwirtschaft, Vieh, Pferde oder Bienen, wurden unter den Segen Gottes gestellt. Nicht selten waren damit auch magische Praktiken verbunden: Segenssprüche und –handlungen sollten vor Tierplagen schützen oder wilde Tiere bannen. Grund genug, nach dem Sinn von Tiersegnungen zu fragen.
Tiere sind Geschöpfe Gottes. Sie wurden nicht um des Menschen willen erschaffen, sondern haben ihre eigene Daseinsberechtigung. In den Psalmen werden auch sie aufgerufen, mit der ganzen Schöpfung Gott zu preisen. Was sie sind und leisten, ihre Lebendigkeit, Vielfalt und Schönheit verweist auf ihren Schöpfer, ist gewissermassen ein Lob Gottes.
Tiere stehen dem Menschen besonders nahe; sie können ihm Gefährten sein, ihm „helfen und eine Freude für ihn sein", wie es in einem Segensgebet heisst. Sie zu segnen gibt die Gelegenheit, all dies dankbar anzuerkennen. Dass Tiere dem Menschen dienen, soll dieser nicht als selbstverständlich betrachten.
Tiersegnungen nehmen den Menschen in die Pflicht. Im biblischen Schöpfungsbericht heisst es, dass Gott ihm die Tiere zuführt, damit er ihnen einen Namen gibt (Gen 2,19). Gott hat dem Menschen die Sorge um die Tiere anvertraut. Er soll sie artgerecht behandeln und auf ihre Bedürfnisse achten, Nutztiere nicht ausnutzen und Haustiere nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen missbrauchen.
Als Franz von Assisi dem Wolf von Gubbio begegnete, hat er ihn als Erstes gesegnet. Auch über wilde Tiere können wir den Segen Gottes herabrufen. Nicht dass ein solcher Segen die Tiere verzaubert und sie zähmt. Es geht vielmehr darum, ihnen als Teil der Schöpfung Achtung entgegen zu bringen und den nötigen Lebensraum zu gewähren, so dass Mensch und Tier gut mit- und nebeneinander leben können.
In seiner Sorge um die Tiere leistet der Mensch einen Beitrag zur Vollendung des Schöpfungswerk Gottes, das der Prophet Jesaja in ein Bild friedlichen Zusammenseins fasst: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten" (Jes 11,6).
Heutzutage wächst das Bewusstsein, dass im Verhältnis zwischen Mensch und Tier manches im Argen liegt. Die Ausbeutung der Tiere ist Teil eines unachtsamen und unheilsamen menschlichen Handelns in der Welt. Als christliche Antwort darauf sind Segnungen von Tieren sinnvoll.

Josef-Anton Willa (11.6.2015)

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