Hintergrund

Kirche sein im Feiern und Verstehen

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Kirche sein im Feiern und Verstehen

Asche thumbAsche

Kein nutzloser Überrest

Bloss unvermeidbarer Rückstand beim Grillieren? Nein. Asche erweist sich im religiösen Leben als bedeutungsträchtig und altbewährt. 

 

Altbewährtes Reinigungsmittel

Beim Bräteln ist Asche oft nur Nebenprodukt, bei der traditionellen Seifenherstellung ist sie unentbehrlich. Die reinigende Wirkung der Asche war schon dem archaischen Denken bekannt. Als Überreste des Feuers enthält sie in sich dessen purifizierende und läuternde Kraft. So wurde sie in vielerlei Formen zu Reinigungs- und Sühnezwecke der Menschen angewendet. Biblische Zeugnisse finden sich beispielsweise im Herstellen von Reinigungswassern mit Asche aus verbrannten Kühen (Num 19,9 und Hebr 9,13) oder im Verstossen von Schwerverbrechern in einen mit Asche gefüllten Turm (2 Makk 13,6.8). Die heutzutage verwendete Asche am Aschermittwoch stammt nicht von erlesenen Kühen, sondern von den Palmzweigen des Vorjahres.

Zeichen der Vergänglichkeit

Was Asche ist, das war einmal… Biblisch bezeichnet Asche hervorragend die Gebrechlichkeit und die Todverfallenheit des Menschen und gewisser Gegenstände. Sie steht auch in engem Zusammenhang mit dem Staub. Um diese leidvollen Realitäten zu bekennen, bedeckte sich Hiob mit Asche (Hiob 2,8), lief Jesaia in „Sack und Asche“ herum (Jes 58,5), wälzte sich Jeremia in ihr (Jer 6,26), streute sich Tamar Asche aufs Haupt (2 Sam 13,19), oder ass sie der trauernde Beter (Ps 102,10) sogar.
Wir praktizieren wie Tamar das Bestreuen des Hauptes mit Asche am Aschermittwoch und verbinden uns so mit den alten Riten. Das Begleitwort zur Geste „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“ (Gen 3,19), erinnert uns dabei zu Beginn der Fastenzeit an unsere Vergänglichkeit und eröffnet die Fastenzeit, in der eine weitere Bedeutung der Asche zutage tritt.

Symbol der Busse

Mit der Fastenzeit beginnt auch die Zeit des Bussetuns. Die Asche ist auch Symbol der Busse und der Trauer. So kann beim Bestreuen des Hauptes am Aschermittwoch auch gesprochen werden: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15)! In bildhaftem Symbolisieren, dass sich der Mensch von der Quelle des Lebens, Gott, abgewandt hat und zu ihr zurückkehren will, übernimmt die Asche ihre dritte Funktion. Aber es wird klar: Die Bedeutungen der Asche lassen sich nicht voneinander trennen; erst im tiefen Zusammenhang entfaltet sie ihre symbol- und zeichenhafte Wirkkraft.

Liturgische Verwendung

Asche ist ein altbewährtes Mittel in der Liturgie des römischen Ritus. So wurden bis zum 10. Jh. öffentliche Kirchenbüsser mit ihr bestreut. Seit dem 11. Jh. findet sie dann Anwendung auf allen Köpfen. Der Aschermittwoch bleibt bis heute der Tag der Asche par excellence und überhaupt der einzige Tag, an dem sie reguläre liturgische Verwendung findet. Seit 1977 ist die mehr als tausendjährige Tradition der Einzeichnung des griechischen Alphabets in ein Aschenkreuz bei der Kirchweihe fakultativ und das ebenso alte Gregoriuswasser (Besprengungsmittel aus Asche, Salz, Wasser und Wein) entfällt ganz.

Im Licht der Tradition, der Bibel und der archaischen Riten kann uns Asche also Mittel sein, mit dem wir den Verhältnissen unseres Lebens Ausdruck geben und es etwas besser verstehen lernen können.

Kilian Wenk, Theologiestudent in Fribourg (10.2.2020)

Dieser Beitrag wurde unterstützt durch Mittel des Freundeskreises Liturgisches Institut.

Facts

Alle Jahre wieder wird vor der ätzenden Wirkung von Asche gewarnt, die mit Wasser gemischt wurde. Die dabei entstehende Kalilauge kann die Haut reizen oder sogar verätzen. Bei sachgemässer Handhabung besteht allerdings keine Gefahr.

Warnung der deutschen Bistümer vor alkalischer Reaktion von feuchter Asche

Gebete

Segnungsgebete vor dem Austeilen der Asche am Aschermittwoch

Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne † alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Oder:

Gott, du willst nicht den Tod des Sünders,
du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten:
Segne † diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen,
weil wir wissen, dass wir Staub sind
und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden,
erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes
und schenke uns durch seine Auferstehung
das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Liturgisches Institut
der deutschsprachigen Schweiz
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